Die amerikanischen Gegner des Vietnam-Krieges haben eine neue "Front" eröffnet. In einer ungewöhnlichen Geheimsitzung befaßte sich der Senat mit Washingtons Engagement in Laos. Wie der demokratische Senator Symington behauptet, unterstützen die USA mit Hunderten von Millionen Dollar etwa 4000 bis 6000 thailändische Söldner und rund 32 000 Soldaten der Meo-Bergstämme, die im Norden von Laos gegen die verbündeten Streitkräfte der Pathet Lao und Nordvietnams kämpfen. Im vorigen Jahr hatte Präsident Nixon nach der Invasion Kambodscha zugesichert, keine amerikanischen Bodentruppen außerhalb Süd Vietnams einzusetzen.

Heftig umstritten ist neuerdings wieder das Schicksal der Kriegsgefangenen in Nordvietnam. Nixon beharrt auf dem Standpunkt: Erst Freigabe, dann Rückzugstermin. Xuan Thuy, Hanois Delegierter in Paris, erklärte dagegen in der Washington Post wenn Nixon ein "vernünftiges" Datum für den Abzug "aller" Streitkräfte festsetze, könnten alle Gefangenen freigelassen werden. Hanoi vermied aber bisher eine klare Aussage, ob nach der Festlegung dieses Termins die 339 Gefangenen – Washington spricht dagegen von 784 Vermißten – sofort auf freien Fuß gesetzt würden oder dann erst Gespräche über die Freilassung beginnen sollten.

Inzwischen ist die Zahl der GI’s in Südvietnam auf 250 000 gesunken. Die Südvietnamesen vermissen bereits die bisherige Luft- und Artillerie-Unterstützung. Amerikanische Verbände mußten in der letzten Woche mehrfach die "Feuerwehr" für eingeschlossene oder bedrängte Verbände Saigons spielen. Das Vertrauen der Südvietnamesen zu ihren eigenen Truppen ist nicht allzu groß. Aus bislang ruhigen Gebieten hat eine Landflucht eingesetzt, nachdem kommunistische Verbände 41 Bauern entführt und vier Bürgermeister ermordet haben.

Noch immer vollführt die US-Luftwaffe Bombenangriffe auf Gebiete in Laos und im Norden Südvietnams. Dabei flog ein Jagdbomber am Wochenende den 44. "Schutzangriff" in diesem Jahr auf eine Flugabwehrstellung in Nordvietnam.