Die breite Palette der Möglichkeiten, Kapital im Ausland gewinnbringend anzulegen, wurde durch eine ungewöhnliche Variante erweitert: "Verdienen Sie vertraglich garantiert 35 Prozent in zwei Jahren oder in vier Jahren 80 Prozent. Ihr Kapital wird durch Zuschreibung eines baureifen Grundstücks voll abgesichert." Diese "Kapital-Anlage 71" wird seit kurzer Zeit von den Vertretern des Internationalen Wertpapier Service (IWS), Nürnberg, und der Internationalen Finanzberatung Dawidowski KG, Stuttgart, angepriesen.

Zahlreiche Kapitalanleger haben bereits Zugegriffen: Mehr als 200 Grundstücksparzellen im Wert von rund zwei Millionen Mark sind verkauft. Dies soll allerdings erst der Anfang sein, betont Initiator Max Lipin. Bis zum Sommerende rechnet er mit dem Verkauf von 1000 "lots" an deutsche Interessenten. Zudem habe er sich in Montreal weitere 8000 Grundstücke im Verkaufswert von 80 Millionen Mark an Hand geben lassen. Er spekuliert darauf, daß die Angst vor dem "Gespenst der Inflation" das Interesse an Auslandsanlagen noch verstärken wird.

"Da es um das Geld deutscher Anleger geht, sollten alle unser Angebot kritisch prüfen", meint der Amerikaner Max Lipin, ein ehemaliger Opernsänger, der in Florida Erfahrungen im Immobiliengeschäft sammelte und seit 1963 in München lebt. Nach den Pleiten bei IOS und Gramco habe man sich im Interesse der Anleger etwas Neues einfallen lassen: Das Kapital der Investoren wird zur Zwischenfinanzierung von Landerschließungen im Großraum Montreal eingesetzt. Das eingesetzte Kapital des deutschen Anlegers wird im Grundbuch abgesichert.

Die Anleger sollen ihr Kapital, je nach Baufortschritt, schon nach zwei Jahren mit 35 Prozent, spätestens aber nach vier Jahren mit 80 Prozent Gewinn zurückbekommen. Sie erhalten, wie es im Verkaufsprospekt heißt, eine "vertragliche Garantie" der Rock Enterprises Limited und ihres Alleininhabers Jean Guy Sauvé, die sich zum Rückkauf der Grundstücke mit entsprechenden Aufpreisen verpflichten.

Die hohen Gewinne will die Rock Enterprises durch Ankauf, Projektierung, Parzellierung und Erschließung von Land bis zur Baureife erzielen. Die vertragliche Gewinngarantie, so heißt es im Verkaufsprospekt, sei möglich, weil alle baureifen Grundstücke innerhalb von vier Jahren mit bereits bewilligten Mitteln des Staates bebaut und zu diesem höheren Preis übernommen würden.

Spätestens hier taucht die Frage auf, warum Rock Enterprises die hohe Rendite nicht selbst verdienen will. Der Profit aus der Landerschließung, so sagen die IWS-Berater, sei so hoch, daß Rock Enterprises für die Zwischenfinanzierung durch deutsche Investoren tatsächlich bis zu 80 Prozent Gewinn nach vier Jahren auszahlen könne. Rock Enterprises sei aber auf die Zwischenfinanzierung angewiesen, um größere zusammenhängende Gebiete für eigene Pläne unter Kontrolle bringen und geplante Objekte auch durchführen zu können.

Die Initiative, Kapitalgeber in Deutschland zu suchen, ging nicht von Rock Enterprises aus, sondern von uns, behauptet Max Lipin. Auf einer Reise nach Montreal habe er den Bauboom und die Chancen der Landerschließung entdeckt. Sein Freund, der Münchner Bankier Paul Feuchtwanger, habe ihn dabei mit Fred Oberlander, ehemaliger Commonwealth-Ringer-Champion und heute Besitzer einer Schuhsohlenfabrik in Montreal, bekanntgemacht. Dieser habe schließlich den Kontakt zu Jean Guy Sauvé geknüpft, dem "bedeutendsten Landerschließer von Montreal", wie Lipin stolz erwähnt.