DIE ZEIT

Unions-Unlust

Es wird der Bundesregierung gewiß nicht leichtfallen, für die Steuerreform eine breite parlamentarische Mehrheit zu finden – also auch die Zustimmung der oppositionellen CDU/CSU-Bundestagsfraktion zu gewinnen.

Rechts-Ruck

Es ist schwer, die Faschisten in Antikommunismus zu übertrumpfen, und nicht leicht, antifaschistische Politik glaubwürdiger zu machen, als Sozialisten und Kommunisten dies tun.

Kernfrage der SED

Die Sowjetunion hat heute kein Interesse an Krieg oder Krise; vielmehr liegt ihr an partiellerEntspannung. Daraus erklärt sich die Vielfalt ihrer diplomatischen Initiativen: in den Raketengesprächen mit den Amerikanern, den Grenzverhandlungen mit den Chinesen, den Berlin-Kontakten der vier Mächte, dem Streben nach einem Truppenabbau in Europa und einer Friedensregelung in Nahost.

Rechts-Utopie

Aus dem Provisorium ist eine Partei geworden. Nach mühsamen Anläufen traten die „politischen Pensionäre“, wie Walter Scheel einst die Anhänger der National-Liberalen Aktion genannt hat, zum Schwur an: Im Rheinlandsaal zu Düsseldorf hoben sie die „Deutsche.

Die Catcher sind unter uns

Ein paar Fußballspieler, Leute, bei denen es auf Laufpensum und Schußvermögen offenbar mehr ankommt als auf moralische Integrität, haben Geld dafür bekommen, daß sie so spielten, wie der Geldgeber es wünschte (siehe dazu Jürgen Werners Artikel auf Seite 56).

Wissen und Wirken

Er wollte wissen, und er wollte wirken – dieser doppelte Drang hat das Leben Waldemar Bessons bestimmt. Weil er wissen wollte, wie alles gekommen war, damit es nie wieder so komme, begann er vor zwei Jahrzehnten nach dem Krieg in Tübingen Geschichte zu studieren, und später, in Erlangen, Konstanz und Harvard, Geschichte zu lehren.

ZEITSPIEGEL

„Bei meinem Abschied konnte ich nicht einen Seufzer der Erleichterung darüber unterdrücken, daß Deutschland so sicher geteilt ist.

Ein Abschied in Raten

Bullig wirkt er noch immer: mächtiger Schädel, kräftiges Kinn, breite Schultern, weiter Brustkorb. Willi Weyer ist, wie in alten Zeiten, das Musterbild einer "westfälischen Eiche": 1,90 Meter groß, zwei Zentner schwer.

Glaubenskrieg um Butterpreis

Im Unterhaus debattieren die Abgeordneten zu später Stunde über soziale Mißstände in Wales. Es geht um Krankenhäuser, Kindergärten und Schulen.

Wie stark ist Bonns Rechtsposition in Berlin?

Von einigen Kommentatoren der Berlin-Verhandlungen wird geflissentlich übersehen, daß zwischen den Rechtsauffassungen der Bundesregierung und jenen der drei Westmächte hinsichtlich der Stellung Berlins seit 1949 ein beträchtlicher Dissens bestanden hat.

Präpariert auf Nein

Je näher die Ratifizierungsdebatte über die Ostverträge rückt, um so deutlicher wird das „Nein“ der Union. Die Christlichen Demokraten werden – das ist die übereinstimmende Ansicht der Bonner Abgeordneten – selbst dann die Verträge ablehnen, wenn die Berlin-Regelung nach Meinung der Beteiligten – Westalliierte, Bundesregierung, Berliner Senat, Ostberlin und Moskau – „befriedigend“ ausfällt.

Wieland Deutsch oder Boris Russ?

Unter dem Vorwand einer Fragestunde hat das Parlament in der vorigen Woche die Positionen für die Ratifizierungsdebatte der Ostverträge markiert.

Nächste Woche tritt in Berlin die Jahreshauptversammlung der Max-Planck-Gesellschaft zusammen. Dabei wird sich zeigen: Es droht ein Machtkampf zwischen der westdeutschen Forschungshierarchie und den aufbegehrenden Wissenschaftlern. Wird es zum Streik kommen?: Aufstand der Forscher

Die linke Studentenbewegung der ausgehenden sechziger Jahre könnte sich Anfang der siebziger Jahre in einer linken Forscherbewegung wiederholen: Immer mehr Wissenschaftler und Ingenieure melden jetzt an Forschungsinstituten ihre Mitbestimmungsansprüche an.

Brünings Benjamin

Admiral wollte er werden. Und die Welt kennenlernen. Darum trat er 1909 als Seekadett in die kaiserliche Marine ein. Admiral ist er nie geworden, aber durch die Welt hat es ihn sein Lebtag weit getrieben, erst als Mariner, dann als Freund des Reichskanzlers Brüning auf internationalen Konferenzen, schließlich als Emigranten.

Der Glaube an Mao heilt

Edgar Snow hat letzte Woche im ZEIT-Magazin über seine Chinareise vom Herbst 1970 berichtet. Snow, der 1936 als erster westlicher Journalist den „Roten Banditen“ Mao interviewte, stützt sich auch in dieser abschließenden Reportage auf Gespräche und Begegnungen mit den Pekinger Führern.

Parteitag der Parolen

Parteitage waren immer Zäsuren in der Entwicklung der DDR. Nicht, daß einer der 2200 Delegierten, die seit Dienstag im weiten Rund der Ost-Berliner Werner-Seelenbinder-Halle ihrer Präsenzpflicht nachkommen, noch beeinflussen könnte oder wollte, was die Parteispitze zur Akklamation vorlegt.

Es stand in der Welt

Heinz Barth, der in der Welt seit Jahren ein Amerika-Bild zeichnet, das wie eine Werbefibel für law and order aussieht, war jetzt gerührter Zeuge der Hochzeit von Nixons Tochter im Weißen Haus.

Es stinkt zum Himmel

Am Wochenende meldeten die Geschäfte in Frankfurt und Umgebung den Ausverkauf eines ansonsten weitgehend unbeachteten Konsumguts: Müllsäcke, so bedeuteten die Verkäufer mit bedauernder Gebärde hinter den Ladentischen, seien leider nicht mehr zu haben.

Der Wein, der aus der Kälte kam

Als vor einer Woche im ehrwürdigen Kloster Eberbach im Rheingau der Auktionator zum letztenmal mit dem Hammer auf das Pult klopfte, ward die vielbesungene These, nur ein alter Wein sei ein guter Wein, endgültig Lügen gestraft.

Neue Wache

Wache – frisch und munter klingt’s. Poetisch heißt es „Wacht“; und Untertöne hat es, dumpf wie Trommelwirbel, und übertöne, hell wie Hornsignal.

Sie wollen keine Partner sein

Frankfurts Oberbürgermeister Walter Möller schrieb einen Brief. Kernsätze: "Lassen Sie uns ... nicht länger auf die Lösung der schwierigen Verhandlungspositionen: anderer Instanzen warten.

Kreuz mit der Kritik

Der Hausanwalt der Frankfurter Rundschau, Joachim Rieke, ist ein alter Fuchs. Wenn er einen Fall bis zum Bundesverfassungsgericht treibt, dann nicht aus Rechthaberei: Dann weiß er, was er will; dann geht es um die Pressefreiheit.

Gemütstiefen

Als Friedrich Meinecke im Jahre 1908 sein Buch "Weltbürgertum und Nationalstaat" veröffentlichte, gab er wieder, was eine Generation dachte und in dem Werk des Freiburger Historikers ausgebreitet und gerechtfertigt sah.

Patrioten gesucht

In der umfangreichen Literatur zum Thema Nationalismus lassen sich im wesentlichen drei Gattungen unterscheiden: In den historischen und politischen Wissenschaften herrschen die Untersuchungen mit beschreibend-analysierender Absicht vor.

Zwischen den Fronten

Es war sicher berechtigt, wenn sich nun auch noch Wilfried Strik-Strikfeldt bei diesem Thema zu Wort meldete, war er doch auf deutscher Seite diejenige Persönlichkeit, die den engsten Kontakt zu General Andrej Wlassow gewann und pflegte.

Kampf der Millionen

Seit General Kurt von Tippeiskirch 1951 einen ersten Überblick über den deutsch-sowjetischen Krieg wagte, ist zwar eine stattliche Reihe von Darstellungen aus deutscher, sowjetischer und auch aus westlicher Perspektive erschienen – neben einer kaum noch zu überschauenden Menge vonmilitärischen Einzelstudien verschiedenster Qualität und von Einzelstudien und Erlebnisberichten.

Ein Teilerfolg gegen die Cholera

Die schlimmste Gefahr im indisch-ostpakistanischen Grenzgebiet, die Cholera, scheint für den Augenblick gebannt. Durch Massenimpfungen – auch gegen Typhus –, verbesserte sanitäre Einrichtungen.

Eheprozesse: Prozedur verkürzt

Vom 1. Oktober an wird die Prozedur der Eheprozesse in der katholischen Kirche durch ein am vergangenen Freitag bekanntgegebenes „motu proprio“ von Papst Paul VI.

Vietnam-Krieg: Front gegen Nixon

Die amerikanischen Gegner des Vietnam-Krieges haben eine neue „Front“ eröffnet. In einer ungewöhnlichen Geheimsitzung befaßte sich der Senat mit Washingtons Engagement in Laos.

„Kleine Schritte“ in Berlin

Mit Zurückhaltung beurteilten Regierungskreise in Washington in der vergangenen Woche, wenige Tage vor dem Besuch von Bundeskanzler Willy Brandt in der Hauptstadt der Vereinigten Staaten, den Stand der Berlin-Gespräche.

Flugverkehr: Wieder normal

Der Flugverkehr in der Bundesrepublik verläuft seit dem vergangenen Wochenende wieder normal. Nach über 50 Tagen „Dienst nach Vorschrift“ der Fluglotsen einigten sich Verkehrsminister Leber und der Vorsitzende des Verbandes der Flugleiter, Kassebohm, auf einen „Burgfrieden“.

Chinahandel: Embargo gelockert

Nach 21 Jahren haber. die USA den Handel mit der Volksrepublik China liberalisiert. Präsident Nixon hob eine Reihe von Beschränkungen für den Export nichtstrategischer Güter auf.

Gegen die Bonner Koalition

In der Bundesrepublik gibt es eine neue Rechtspartei. Am vergangenen Wochenende wurde in Düsseldorf die „Deutsche Union“ aus der Taufe gehoben.

Dokumente der ZEIT

„Zweifellos wächst die Bedeutung der sowjetisch-amerikanischen Verhandlungen über die Einschränkung strategischer Rüstungen, deren positiver Ausgang unserer Meinung nach den Interessen der Völker beider Länder und der Aufgabe entsprechen würde, den Weltfrieden zu festigen.

Nahost: Neue Zwischenfälle

Die Waffenruhe im Nahen Osten ist in der vergangenen Woche zweimal schwer gestört worden. Zum drittenmal seit August 1970 eröffnete die israelische Flak am Sonntag das Feuer auf ägyptische Flugzeuge, die den Suezkanal überquert hatten.

Moskau präzisiert Angebot

Der sowjetische Parteichef Breschnjew hat sein Angebot, mit dem Westen über Truppenreduzierungen zu verhandeln, in der vergangenen Woche präzisiert.

In der Bildung:: CDU-Politik der SPD

Pathetisch beschwor Minister Leussink vorige Woche im Bundestag, die Einheit von Bund, Ländern und Opposition als Partner im bildungspolitischen Geschäft.

Die öffentlich-rechtliche Huldigung

In einem Grundsatzpapier des ZDF über die alte und eine notwendige neue Fernsehprogrammstruktur heißt es: „Das Fernsehen kann und darf nicht in einer Welt von Konflikten.

Kunstkalender

Warum Markierungen? Ein Titel soll neugierig machen, er kann unverständlich sein, bis dem Betrachter irgendwann ein Licht aufgeht.

SCHALLPLATTEN

Das ist eine Aufzeichnung eines Konzerts, das die beiden Ungarn in der Washingtoner Library of Congress gaben, am 13. April 1940, am Vorabend von Bartóks Emigration.

Wie lange sind sie noch lebensfähig?

Wenn das Klima für zeitgenössische Kunst in Deutschland allgemein günstig ist, dann hat ein Dutzend nach Voraussetzung und Funktion unterschiedlicher Institutionen daran einen wesentlichen Anteil: die Kunstvereine.

Schriftsteller und Gewerkschaft: Die Jahrhundertentscheidung

Die Diskussion über den Beitritt der Schriftsteller in die Gewerkschaft kann über zweierlei nicht hinwegsehen: die Frage nach der Notwendigkeit eines solchen Schrittes; über die Sorge, die Übermacht des großen Gewerkschaftsapparates könne zur Bevormundung der Schriftsteller führen.

Erst denken, dann bellen

In der Frage, ob der Verband deutscher Schriftsteller (VS) der Gewerkschaft beitreten sollte, stehen weiterhin Argumente gegen Argumente.

Daniel Doppler:: Gewerkschaft Minne und Pergament

Jetzt, da die Schriftsteller danach trachten, sich einer Gewerkschaft anzuschließen, wird es Zeit, sich der historischen Vorarbeit bewußt zu werden, die in der Epoche geleistet wurde, welche als „Minnesangs Frühling“ in die und in den Literaturgeschichten eingegangen ist.

Der wahre Jakob

Denn auch die Stuarts, meint der Autor (und sagt damit gewiß nichts Neues), „haben Anspruch auf Verständnis, Toleranz, ja vielleicht sogar auf Sympathie“.

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