Mit Zurückhaltung beurteilten Regierungskreise in Washington in der vergangenen Woche, wenige Tage vor dem Besuch von Bundeskanzler Willy Brandt in der Hauptstadt der Vereinigten Staaten, den Stand der Berlin-Gespräche. Brandt traf am Montag in den Staaten ein. Zwar wurde anerkannt, daß der sowjetische Botschafter in Ostberlin, Abrassimow, in der Frage der Vier-Mächte-Verantwortung für den Zugang von und nach.Berlin dem Westen entgegengekommen sei, indem er eine formelle Mitverantwortung der Sowjetunion bestätigt habe. Doch könne die DDR weiterhin die praktische Kontrolle ausüben; vor allem in der Frage des innerstädtischen Verkehrs und der Zugehörigkeit Westberlins zur Bundesrepublik nehme die Sowjetunion nach wie vor eine starre Haltung ein.

In Washington wurde auch bestätigt, daß die Hälfte des Textes einer Berlin-Vereinbarung fertiggestellt ist, doch handele es sich dabei nur um einen Teil einer möglichen Berlin-Regelung.

Beim letzten Botschaftergespräch über Berlin – die Gespräche werden am 25. Juni fortgesetzt – sollen sich die Gesprächspartner darauf geeinigt haben, daß im Streitfalle über Kontrollmaßnahmen im Berlin-Verkehr ein Beschwerdeausschuß der vier Berlin-Mächte angerufen werden kann. Damit hat sich, so wird in Bonn betont, die Sowjetunion bereiterklärt, Mitverantwortung für die Kontrolle in höchster Instanz zu übernehmen. Die alte sowjetische Forderung, die DDR-Behörden allein, seien für die Zugangswege verantwortlich, sei damit fallengelassen worden.

Außerdem soll in Berlin Einigkeit darüber erzielt worden sein, daß Personenwagen im Transitverkehr nicht mehr durchsucht werden. Die Insassen haben sich lediglich einer Identitätskontrolle zu unterziehen. Die Lastwagen im Güterverkehr sollen plombiert werden, nur noch bei jedem fünfhundertsten Wagen sollen die DDR-Behörden die Übereinstimmung von Begleitpapieren und Ladung kontrollieren können.

Im Bundestag kam es in der vergangenen Woche nicht zu der von der Opposition ursprünglich geplanten Berlin-Debatte. Anstoß für vier Dringlichkeitsanfragen der Opposition, an die sich die Debatte in einer aktuellen Stunde anschließen sollte, hatte eine Berlin-Analyse in der FDP-Zeitschrift "liberal" gegeben, die von einem unbekannten Verfasser mit dem Pseudonym "Wieland Deutsch" geschrieben worden war. Die Opposition vermutet den Verfasser in Regierungskreisen. Regierung und Opposition einigten sich, die strittigen Punkte im Auswärtigen Ausschuß weiter zu erörtern.