Mitte der sechziger Jahre drängten Italiens Hersteller von Elektro-Haushalts-Geräten an die Spitze: Sie machten Italien zum Lieferanten Nummer eins in der EWG. Und die Zanussi-Gruppe führt mit 30 000 Beschäftigten und einer Produktion von jährlich fünf Millionen Waschmaschinen, Geschirrspülern, Fernsehgeräten, Kühlschränken und Elektroherden die europäische Liste der Elektro-Firmen an. Nach dem US-Konzern General Electric steht Zanussi auf Platz zwei der Weltrangliste.

Doch die Italiener haben Kummer mit den Gewerkschaften und mit dem Markt. Der Absatz von Elektro-Haushaltsgeräten, vor allem für die "weißen Geräte" wie Kühlschränke, Elektroherde, Waschmaschinen, wird in Europa immer schwieriger, weil die Hausfrauen fast alle mit "automatischen Dienern" versorgt sind. Vor zehn Jahren stand in 30 Prozent aller EWG-Haushalte ein Kühlschrank und bei 31 Prozent eine Waschmaschine. Heute haben 84 Prozent aller Familien einen Kühlschrank, zwei von drei Familien besitzen eine Waschmaschine.

In zwei Jahren wird der Markt für diese Geräte völlig übersättigt sein. "Wir können dann nur noch vom Ersatzgeschäft leben", prophezeit Zanussi-Präsident Lamberto Mazza. Bei einer Durchschnitts-Lebensdauer von zehn Jahren für Kühlschränke und sechs Jahren für Waschmaschinen stehen harte Zeiten für die Produktion von Elektro-Haushaltsgeräten bevor.

Daß die meisten Hausfrauen Europas den Namen Zanussi noch nie gehört haben, liegt am Vertriebssystem des Unternehmens. In Italien und Frankreich wird die Produktion unter der Marke Rex verkauft. Für die Bundesrepubik läßt die AEG nach deutschen Normen bei Zanussi herstellen, und in den USA ist es Hoover. Mehr als die Hälfte der Zanussi-Produktion geht ins Ausland und zwei Fünftel des Exports werden im Auftrag dritter hergestellt und unter deren Firmenzeichen verkauft. Zwar sind Streiks und Rezession mit dafür verantwortlich, daß der Absatz in Italien seit Jahresbeginn um 30 Prozent zurückgegangen ist. Doch auch im Ausland fordern die Elektrohändler nicht mehr so zügig Nachschub wie bisher. Folge: Allein bei Zanussi liegen 1,4 Millionen Geräte auf Halde.

Die Gewerkschaften kümmerte die Marktlage wenig. Sie holten seit 1968 Lohnerhöhungen von 75 Prozent heraus. Der günstige Preis – bis dahin Hauptschlager der italienischen Elektrogeräte-Industrie – ging damit verloren. Zahlreiche kleine Fabriken mußten schließen. Und Zanussi kaufte auf: Castor, Stice, Becchi – und als größten Brocken schließlich Zoppas –, das Unternehmen hatte selbst erst kurz vorher den bedeutenden Hersteller Triplex geschluckt.

Daß dabei nationalwirtschaftliche Gesichtspunkte eine Rolle spielten, wird nicht bestritten. Um zu vermeiden, daß Zoppas mit 7000 Beschäftigten in ausländische Hände fiel, übernahm Zanussi auch 80 Millionen Verlust. Als ausländische Stütze bot sich die AEG an, die ohnehin durch einen Kooperations-Vertrag mit Zanussi verbunden ist. Ergebnis: Die AEG erhielt eine Beteiligung von 25 Prozent an einer neu zu gründenden Produktionsgesellschaft der Zanussi-Gruppe. Auch der zweitgrößte italienische Elektrogeräte-Hersteller, die Ignis-Gruppe, suchte Hilfe im Ausland und räumte dem niederländischen Philipskonzern 50 Prozent Beteiligung ein.

Die Gewerkschaften frohlockten: Die neue internationale Verbindung sichere nachhaltig die finanzielle Lage und erlaube deshalb auch mehr sozialen Fortschritt. Ihre Forderungen an Zanussi: zehn bis zwölf Milliarden Lire (60 bis 72 Millionen Mark) jährlich – fünf Prozent vom Umsatz.

Zanussi, in Kapitalsorgen und 1970 ohne verteilbaren Gewinn, widersetzte sich. Seit Januar 1971 gingen zwei Millionen Arbeitsstunden durch Streiks verloren. Die Anwendung des "permanenten Konflikts" als neue Technik des Arbeitskampfes hat Zanussi an den Rand des finanziellen Abgrunds gebracht. Die Gewerkschaften sähen am liebsten, wenn der Staat nicht nur für den Schaden aufkommt, sondern gleich alles übernimmt. Aber staatseigene Firmen produzieren bereits seit langem Elektro- und Haushaltsgeräte und machen dabei – ebenfalls seit langem – Verluste. Friedhelm Gröteke