Neu in Galerien und Museen:

Bochum Bis zum 26. Juni, Museum: "Markierungen 71"

Warum Markierungen? Ein Titel soll neugierig machen, er kann unverständlich sein, bis dem Betrachter irgendwann ein Licht aufgeht. Wenn es dann nicht aufgeht, fühlt er sich auf den Arm genommen. In Bochum markieren die "Markierungen 71" nichts als Hilflosigkeit, Verlegenheit, ein nicht vorhandenes Konzept. Fünf Künstler werden ausgestellt, die sich weder formal noch thematisch besonders nahe stehen, aber auch nicht so weit auseinander liegen, daß sie Kontrastpositionen innerhalb der heutigen Kunstszene darstellen: Brüning, Damke, Gaul, Lerche, Sundhaußen. Eine Zufallsgruppierung, die Namen sind austauschbar. Gaul, das war schon bei seiner letzten Kölner Ausstellung klar, ist mit der neuen "sex-a-gon"-Reihe aus der mit Verkehrszeichen bepflasterten Sackgasse herausgekommen. Sundhaußen arbeitet immer noch an seinem speziellen Op-Art-Problem, der Faltung mittels Farbe. Damke ist damit befaßt, farbige Analogien zu akustischen Phänomenen (viermal die "Quint") herzustellen. Nur bei Horst Lerche ist von "Markierungen" die Rede. Er zeigt reale Balken, Bretter, Latten, die er mit verschiedenen Farben markiert, eine viel zu aufwendige, ganze Räume füllende Lektion über die Wechselwirkung von Lattenholz und Farbe, eine überflüssige, gelegentlich penetrant kunstgewerbliche Variante zur Minimal Art. Aber weil Lattenkunst dieser Art bisher noch nicht auf dem Markt ist, bieten sich für Lerches "Markierungen" echte Chancen bei progressiven Galeristen.

Krefeld Bis zum 27. Juni, Museum Haus Lange: "Christo"

Das hätte Paul Wember, der hochgeschätzte, der Mann mit der Witterung fürs Aktuelle, uns ersparen können. Was hat er sich davon versprochen, den großen Verpacker Christo, der Museen und ganze Landstriche, amerikanische und australische Küsten in Zeltplanen gehüllt und verschnürt hat, nun auch noch nach Krefeld zu bemühen und ihm das schöne Mies-van-der-Rohe-Haus zu überantworten? Vielleicht wollte er mit dieser mißlungenen Aktion das kritische Bewußtsein der Besucher schärfen, auf den rapiden Abnutzungsprozeß hinweisen, dem das Aktuelle unterworfen ist. Christo hat sich in Krefeld nicht in Unkosten gestürzt wie bei der letzten documenta. Er hat sich gar nicht erst die Mühe gemacht, das Haus zu verpacken, er hat nur die Fenster mit; Packpapier verklebt, die Fußböden zugedeckt und auf die Gartenwege hinter dem Haus Rupfen gelegt. Die verpackten Fußboden, heißt es in der Eröffnungsrede, die der Besucher vom Band abspielen kann, weil der Katalog noch nicht fertig ist, zwingen dazu, "neue Antennen zu entwickeln für das, worüber wir gehen", die verklebten Fenster vermitteln nicht nur die verpackten Räume, die sich verändern. Christo was here.

Gottfried Sello

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