ZEIT: Mister Toffler, ein zentrales Problem unserer Zeit ist nach Ihrer Überzeugung, die Sie in Ihrem Buch "Der Zukunftsschock" zum Ausdruck bringen, die rasante Beschleunigung der technologischen Entwicklung. Welche Folgen ergeben sich hieraus für die Mobilität der Arbeitskräfte?

Toffler: In den USA kennen wir seit Jahren einen sehr hohen Grad an Mobilität. Etwa 36 Millionen Amerikaner wechseln ihren Wohnort während eines Jahres. Das ist eine enorme Fluktuationsrate. Hinzu kommt noch die bereits beträchtliche, aber noch zunehmende Zahl von Leuten, die den Arbeitsplatz am Wohnort wechseln. Als Folge der jüngsten Rezession unter Nixon war die Beschäftigungslage für Wissenschaftler, Ingenieure und Manager sehr ungünstig. Viele mußten buchstäblich die Sozialfürsorge in Anspruch nehmen. Trotzdem ist die Mobilität erstaunlich hoch geblieben.

Offensichtlich nimmt auch in Europa die Mobilität ständig zu, wenn auch nicht so stark wie in Amerika. Einen gewissen Einfluß hierauf hat die Wohnungspolitik. In den meisten westeuropäischen Ländern fehlen seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges Wohnungen. Die Arbeiter und ihre Familien sind also weniger beweglich. Indirekt bremst damit das Unvermögen, genügend Wohnraum zu schaffen, die technologische Entwicklung und die Einführung technischer Neuerungen. Dabei ist Mobilität ein zweischneidiges Schwert: Einerseits erlaubt sie die Beschleunigung der technologischen Entwicklung, andererseits bringt sie eine größere Unbeständigkeit in die menschlichen Beziehungen. Der Übergang von einem kontinuierlichen zu einem unbeständigen Lebensstil macht Millionen von Menschen Schwierigkeiten und schafft Streß, Krankheit, Unbehagen.

ZEIT: In Ihrem Buch unterstreichen Sie besonders, daß sich die Arbeitsteilung verstärkt durchsetzt und sich die Unternehmensziele ändern. Mit diesen Veränderungen müssen vor allem die Manager fertig werden. Glauben Sie, daß die veränderten Strukturen Auswirkungen auf die Managerausbildung haben werden?

Toffler: Als das primäre Ziel der Industrie eine möglichst hohe Produktion war, war es wichtig für die Manager, eine Menge über Produktion zu wissen. Seitdem das wichtigste Problem der Industrie der Verkauf ist, mußten sie über Vertrieb und Marketing Bescheid wissen. In den nächsten zehn oder fünfzehn Jahren wird das zentrale Problem für die Unternehmen die Beziehung zur Gesellschaft sein: zur politischen, sozialen, kulturellen und erzieherischen Umwelt. Es wird viele Umwälzungen geben, die keine ökonomische Ursache haben. Diese Umwälzungen entstehen zum Beispiel aus der Rebellion der Jugend, der Schwierigkeit der Rassenbeziehungen, dem Verbrechen, der Umweltverschmutzung, der Verschwendung.

Die Manager der Zukunft werden also nichtökonomischen Problemen viel mehr Aufmerksamkeit schenken müssen als je zuvor. Ein wichtiger Teil der Ausbildung von Führungskräften sollte nicht nur eine kurze Begegnung mit der Soziologie und der Psychologie sein, sondern vielleicht sogar eine aktive Beteiligung am sozialen und politischen Leben der Gemeinschaft.

ZEIT: Wird sich der Charakter der Arbeit für den einzelnen grundsätzlich ändern?