Der sowjetische Parteichef Breschnjew hat sein Angebot, mit dem Westen über Truppenreduzierungen zu verhandeln, in der vergangenen Woche präzisiert. Auf einer Wahlkundgebung sagte er in Moskau, die Sowjetunion sei bereit, sowohl über die Verminderung ausländischer als auch nationaler Streitkräfte zu sprechen.

In seiner Rede ging Breschnjew speziell auf die Flottenpräsenz der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in den Weltmeeren ein. Die Sowjetunion sei nicht an einer Lage interessiert, in der die Kriegsflotten der beiden Großmächte ständig fern von ihren Küsten operierten. Moskau sei bereit, über diese Probleme zu sprechen. Einseitige Konzessionen kämen dabei aber nicht in Frage. Die westliche Kritik an der Anwesenheit sowjetischer Kriegsschiffe im Mittelmeer sei ungerechtfertigt angesichts der Tatsache, daß sich die 6. US-Flctte ständig im Mittelmeer und damit in der Flanke der Sowjetunion aufhalte und die 7. US-Flotte vor China und Indochina kreuze.

Breschnjew, wie zuvor schon Ministerpräsident Kossygin und Staatsoberhaupt Podgorny, warnte den Westen vor einer Verzögerung der Gespräche über Tuppenverminderungen. Die vom Nato-Ministerrat vor vierzehn Tagen beschlossenen Sondierungen dürften nicht dazu mißbraucht werden, den Beginn konkreter Verhandlungen hinauszuschieben.

In Washington hat Außenminister Rogers zwar die Gesprächsbereitschaft der Vereinigten Staaten und des Westens noch einmal hervorgehoben, doch reagierten Regierungskreise auf den sowjetischen Vorschlag, über die Flottenpräsenz zu verhandeln, zurückhaltend. In Washington wird darauf hingewiesen, daß Breschnjew nicht von einer allgemeinen Flottenbegrenzung gesprochen, sondern vor allem den Verzicht auf die dauernde Entsendung von Flotten in entfernte Teile der Welt gemeint habe. Eine Reduzierung ginge dann aber hauptsächlich zu Lasten der Vereinigten Staaten.

In Londoner Regierungskreisen wurde die Ansicht vertreten, daß der sowjetische Vorschlag zu allgemein formuliert sei. Alle Einzelfragen einer Reduzierung der Flottenpräsenz seien offen geblieben, so zum Beispiel die Frage, ob Breschnjew auch die mit Atomwaffen ausgerüsteten Unterseeboote in die Gespräche einbeziehen wolle.