Die Waffenruhe im Nahen Osten ist in der vergangenen Woche zweimal schwer gestört worden. Zum drittenmal seit August 1970 eröffnete die israelische Flak am Sonntag das Feuer auf ägyptische Flugzeuge, die den Suezkanal überquert hatten. Die zwei Maschinen drehten unbeschädigt ab.

Der zweite Zwischenfall ereignete sich am Freitag in der Straße von Bab Al Mandab, dem "Flaschenhals" am südlichen Ausgang des Roten Meeres. Der von Israel gecharterte, unter libanesischer Flagge fahrende Tanker "Coral Sea" wurde von einem nichtidentifizierten Motorboot mit Panzerfäusten in Brand geschossen. Die "Volksfront für die Befreiung Palästinas" (PFLP) hat die Verantwortung übernommen.

Beide Ereignisse fielen in ein neues "Tief". Nach Ende der innerpolitischen Wirren besuchte der ägyptische Präsident Sadat die Truppen am Kanal. In einer kriegerischen Rede bekräftigte er, daß sein Drei-Punkte-Plan, den er im Februar dem amerikanischen Außenminister Rogers vortrug, unabänderlich weiter Gültigkeit besitze:

  • Ägyptische Truppen müssen den Kanal überqueren dürfen.
  • Ein Waffenstillstand von sechs Monaten muß offiziell in Kraft treten. Wenn nach seinem Ablauf der israelische Rückzug nicht "vollständig" erfolgt sei, behalte sich Kairo das Recht vor, ägyptisches Land zu "befreien".
  • Eine Verpachtung ägyptischen Territoriums bleibe ausgeschlossen.

Sadat forderte die Soldaten auf, Geduld zu üben; noch habe Washington seine Haltung nicht präzisiert, aber die "Entscheidung" werde noch 1971 fallen.

Israel lehnte schon einen Tag später Sadats Forderungen kategorisch ab. Trotz der entschlossenen und drohenden Töne auf beiden Seiten ist der Faden der Verhandlungen über eine Wiedereröffnung des Suezkanals nicht abgerissen. Kairo hat den USA neue Vorschläge überreicht, die – wie in Paris verlautete – Konzessionsbereitschaft erkennen lassen. Ein Indiz ist Washingtons Bereitschaft, die Räumung des Kanals mitzufinanzieren.