Die Kritik an den steigenden Baupreisen in München ließ den bayerischen Bauindustrieverband nicht ruhen. Im Dezember erteilte er einer angesehenen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, der Bayerischen Treuhand AG in München, den Auftrag, das wirtschaftliche Ergebnis der U-Bahn-Baustellen in der bayerischen Landeshauptstadt unter die Lupe zu nehmen.

Das Ergebnis des Untersuchungsberichts ist erstaunlich: Bei einer geprüften Bauleistung von 317 Millionen Mark in 22 Arbeitsgemeinschaften hat sich ein Verlust von 25 Millionen Mark eingestellt. Zieht man die vollen steuerlich zulässigen Geräteabschreibungen ab, so erhöht, sich das Minus auf. 33,5 Millionen Mark. Wenn man bei der Kalkulation die Wiederbeschaffungskosten der Geräte einsetzt, dann fällt das Ergebnis sogar noch um 1,5 bis zwei Millionen Mark schlechter aus.

Verbandspräsident Heinz Noris ist um den Schluß aus diesen Zahlen nicht verlegen. Von einem "Goldgräberdorf München" für die Bauwirtschaft kann nach seiner Überzeugung keine Rede sein. Auch bei den Olympiabauten werde die Rechnung bestenfalls "plus minus null", also ohne Gewinn, aufgehen. Die Branche bringe damit ,,auch ein olympisches

Opfer".

Die Unternehmen haften sich mit den Festpreisverträgen offensichtlich verkalkuliert, Auch wenn eine Lohngleitklausel eingebaut war, so deckte sie nur die Tariferhöhungen, nicht aber die "graue Zone" der sonstigen effektiven Personalkosten. Viele Unternehmen, so Noris, betraten "Neuland im Untergrund". Um des Prestiges willen gingen sie einem harten Verhandlungspartner gegenüber auf Konditionen ein, die keine Gewinnchancen ließen.

Noris befürchtet, daß man beim U-Bahn-Bau in anderen Städten keine besseren Erfahrungen als in München machen wird. "Wir jammern nicht. Wir stellen nur fest, daß die Bauindustrie sich nicht gesundstößt." Die kleinen Bauherrn in der Weltstadt mit Herz" fürchten nun, daß sie, für die Verluste bei Großaufträgen herhalten müssen.