Jetzt ist endlich auch die SPD in der Vermögenspolitik aktiv geworden. Ihr Plan hat allerdings noch Schönheitsfehler.

Halb zog man ihn – halb sank er hin. Karl Schiller, der zu Zeiten der CDU SPD-Koalition gern von der "großen Lösung" in der Vermögenspolitik sprach, hatte seither keine große Lust mehr gezeigt, sich dieses Themas energisch anzunehmen. Der gelernte Wirtschaftsprofessor ist so sehr mit der Steuerung der Konjunktur beschäftigt, daß er für gesellschaftspolitische Probleme nur wenig Zeit und Interesse aufzubringen vermag.

Dabei kann es keinen Zweifel geben, daß der Verteilungskampf, der im vergangenen Jahr zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften in aller Schärfe entbrannte, seine Ursachen nicht zuletzt in der sehr ungleichen Verteilung des Besitzes am Produktivvermögen in der Bundesrepublik hat. Harte Lohnkämpfe mit inflationären Folgen sind immer auch ein Zeichen gesellschaftspolitischer Versäumnisse.

Denn nur für den Eigentümer ist es weitgehend irrelevant, ob er für seine Arbeit eine höhere Vergütung erhält oder für entgangenen Lohn durch einen höheren Gewinn entschädigt wird. Je mehr aber aus den Arbeitnehmern Teilhaber am Produktivkapital werden, um so eher kann man auch erwarten, daß sich die Lohnpolitik an gesamtwirtschaftlichen Daten orientiert.

Nun endlich hat die Regierung sich entschlossen, einen ersten großen Schritt in Richtung auf eine aktive Vermögenspolitik zugunsten der Arbeitnehmer zu tun. Im Rahmen der Grundsatzbeschlüsse zur Steuerreform wurde festgelegt, daß jährlich vier Milliarden Mark für die Beteiligung der Unselbständigen am industriellen Vermögen locker gemacht werden sollen.

Dies ist vor allem dem beharrlichen Drängen von Philip Rosenthal zu verdanken, der seinen Job als Unternehmer aufgegeben hat, um sich als Politiker und Parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium für eine Politik der breiteren Vermögensstreuung einzusetzen.

Rosenthal hat es verstanden, für seine Pläne eine Allianz zu schaffen, in der die Gewerkschaften, Vertreter des Arbeitsministeriums und eine wachsende Zahl von SPD-Abgeordneten vereinigt sind. In letzter Minute erhielt diese Gruppe sogar Flankenschutz von der FDP. Und auch Karl Schiller ließ sich schließlich überzeugen, daß hier ein Stück "soziale Symmetrie" verwirklicht werden kann.