Von Anatol Johansen

Ihr hättet sie.sehen sollen, sie sahen wie die Affen aus!" Mit diesem wenig schmeichelhaften Vergleich beschrieb jetzt auf dem Pariser Aerosalon der Sowjetische Kosmonaut Pawel Popowitsch das Aussehen seiner Kameraden Sewastjanow und Aussehen nach ihrem 18tägigen Rekordflug im Weltraum im Juni 1970. Seinerzeit hatten beide Weltraumpiloten die größten Schwierigkeiten, sich nach dem längsten Flug, den Menschen bis heute im Weltall unternommen haben, wieder an die Schwerkraftverhältnisse auf der Erde zu gewöhnen.

Wie Nikolajew berichtete, waren sie nicht mehr in der Lage, ohne Hilfe aus der Luke des Raumschiffes zu klettern. Das Gehen bereitete ihnen außerordentliche Mühen. Es gelang ihnen kaum, die Füße vom Boden zu heben; selbst das Aufstehen vom Stuhl ließ sich nur mit fremder Hilfe bewerkstelligen.

Als besonders störend empfanden Sewastjanow und Nikolajew, daß ihre Glieder vom Körper wegstrebten. In den ersten Tagen nach der Landung konnten sie nur mit gespreizten Beinen laufen. Außerdem hoben sich ihre Arme vom Körper weg. Auch vermochten sie nicht mehr gerade zu gehen. Mit nach vorne geneigter Körperhaltung schlurften die Bedauernswerten umher.

Nikolajew führte all diese seltsamen Erscheinungen darauf zurück, daß die, wie er sagte, Antigravitations-Muskulatur, also jene Muskelgruppen, die den Menschen auf der Erdoberfläche gegen das Wirken der irdischen Schwerkraft in einer senkrechten Lage halten, im All arbeitslos werden und erschlaffen. Andere Muskelpartien werden im Weltraum nicht so sehr entlastet und degenerieren daher auch nicht im gleichem Maße. Ihnen fehlt dann aber der gewohnte Gegendruck, der von den im Weltraum erschlafften Muskeln jetzt nicht mehr geleistet wird. So werden die Gliedmaße in jene ungewohnte Position gezogen, die Kosmonaut Popowitsch in Paris an die Körperhaltungen von Affen denken ließ.

Offenbar haben sich inzwischen die sowjetischen Weltraummediziner die "außerirdischen". Verrenkungen von Sewastjanow und Nikolajew zu Herzen genommen. Wie Radio Moskau in der vergangenen Woche meldete, sind die Kosmonauten an Bord der Raumstation "Saljut 1" mit besonderen, neuentwickelten Raumanzügen ausgerüstet worden, mit denen man die verunstaltenden Wirkungen der Schwerelosigkeit auszuschalten hofft. Der Anzug hat eine Eigenart, für die man auf der Erde den Schneider eines solchen Kleidungsstücks in die Wüste jagen würde. Mit elastischen Bändern, die über die Schultern und unter den Fußsohlen hindurchgeführt werden, fühlt sich der Träger der eigenartigen Bekleidung ständig wie von einer Last beschwert. Auf der Erde, so verriet die sowjetische Nachrichtenagentur TASS, wäre die Belastung so groß, daß man nicht mehr normal gehen, sondern nur wie ein Pinguin watscheln könne.

Sicher hofft man, mit dem neuen Pinguin-Anzug nicht nur zu verhindern, daß die Kosmonauten nach der Landung in ihrer Körperhaltung unseren Vorläufern aus dem Tierreich wieder allzu ähnlich werden. Dieses gymnastische Bekleidungsstück dürfte auch das geeignete Mittel sein, generell die Faulheit, die den menschlichen Organismus in der Schwerelosigkeit mit unerwarteter Heftigkeit überfällt, zu bremsen. Die bisherigen Langzeitflüge im All haben gezeigt, daß der Organismus alle Körperfunktionen, die in der Schwerelosigkeit nicht notwendig sind, mit überraschender Geschwindigkeit abzubauen beginnen.