Vom 1. Oktober an wird die Prozedur der Eheprozesse in der katholischen Kirche durch ein am vergangenen Freitag bekanntgegebenes "motu proprio" von Papst Paul VI. erleichtert. Bisher dauerten die kirchlichen Gerichtsverfahren durchschnittlich vier Jahre. Sie können künftig auf acht Monate verkürzt werden.

Mit einer katholischen Scheidungspraxis hat der Erlaß "Causas Matrimoniales" nichts zu tun. Es handelt sich lediglich um eine Beschleunigung der Ungültigkeits-Erklärung von kirchlich geschlossenen Ehen, die regelwidrig zustande kamen. Darunter fallen etwa die Geisteskrankheit eines Partners zur Zeit der Eheschließung oder der verabredete Verzicht auf die Zeugung von Kindern.

In Italien wurde das motu proprio von seiten der Linken als eine Konkurrenzmaßnahme des Vatikans zur zivilrechtlichen Scheidung hingestellt, die gegen den erbitterten Widerstand der Kirche vor kurzem eingeführt wurde. Dieser Spekulation ist der Vatikan am Sonntag entgegengetreten. Schon 1966 und 1967 habe der Papst den Mitgliedern des höchsten Tribunals für Eheprozesse, der "Heiligen Rota", eine Änderung der Prozedur angekündigt. Im April 1970 habe Paul VI. dem Episkopat der Vereinigten Staaten und Australiens auf deren Drängen dann versuchsweise die Anwendung jener Normen gestattet, die jetzt für die ganze Kirche verbindlich geworden seien.