In der deutschen Textilindustrie ist man heute schon mit einem Minimum an Gewinn zufrieden. Der Spitzenreiter der Branche, die Christian Dierig AG in Augsburg, muß für 1970 die Ausschüttung von 7 auf 5 Prozent reduzieren; der zweiprozentige Bonus des Vorjahres wird gestrichen. Diese fünf Prozent stammen fast ausschließlich von den Konzerntöchtern, hauptsächlich aber von der Riesinger Textil AG, Augsburg.

Die Dierig AG hat den Umsatz 1970 um rund 3 Prozent (im Vorjahr rund 6 Prozent) auf knapp 130 Millionen Mark ohne Mehrwertsteuer gesteigert. Dabei mußten allein um über 5 Millionen Mark höhere Personalkosten verkraftet werden. Der Konzernumsatz kletterte um 10 Prozent auf 450 (nach 410) Millionen Mark (bei 105 Millionen Mark internen Lieferungen). 1971 hat bis jetzt ein Umsatzplus gebracht. Dennoch werden Preiserhöhungen um 8 bis 10 Prozent für "dringend erforderlich" gehalten.

Dierig hat sich in den letzten Jahren zu einem Spekulationspapier entwickelt. Die Gerüchte über Gespräche mit dem amerikanischen Textilkonzern Burlington werden vom Vorstand dementiert: "Nichts davon ist wahr."

Auf der Hauptversammlung am 15. Juli wird vorgeschlagen, die Organ-Tochter "Haunstettens Textil AG", Augsburg, zu übernehmen. Die freien Aktionäre sollen für neun Haunstetten-Aktien elf Dierig-Aktien und 10 Prozent Zuzahlung auf den Nennwert erhalten.