Aus dem Provisorium ist eine Partei geworden. Nach mühsamen Anläufen traten die "politischen Pensionäre", wie Walter Scheel einst die Anhänger der National-Liberalen Aktion genannt hat, zum Schwur an: Im Rheinlandsaal zu Düsseldorf hoben sie die "Deutsche. Union" aus der Taufe. Die politische Palette in unserem Lande ist um einen Grau-Ton reicher geworden.

Selbstbewußt nennt Siegfried Zoglmann, von den Gründungsmitgliedern unangefochten zum Vorsitzenden gekürt, sein neues Unternehmen eine Kraft der "patriotischen Mitte rechts von der CDU". Bei Lichte besehen ist die Deutsche Union jedoch nicht mehr als ein schillerndes Sammelbecken für versprengte FDP-Rechte, heimatlose Nationalkonservative, unzufriedene Bauern und Vertriebene.

Das Ziel ist vermessen. Spätestens 1973 will die Mini-Partei, vereint mit CDU und CSU, die Bonner Regierungskoalition aus dem Sattel heben. Die beiden großen Unionsparteien freilich winken vorerst ab. Denn was sich da in Düsseldorf zusammentat, um die Bonner Mehrheitsverhältnisse zu verändern, ist nur eine spleenige Splittergruppe. Eher nimmt die Deutsche Union der Opposition zwei Prozent der Stimmen ab, als daß sie die FDP unter die Fünf-Prozent-Marke drücken wird.

Der Wählertest bei den kommenden Landtagswahlen wird erweisen: Mit dem Düsseldorfer Gründungsgetöse haben die neuen Nationalisten nicht der Regierung den Marsch geblasen. Es war nur das Signal zum Stechschritt in die politische Wüste. S. B.