Ein kluger Kopf bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat die Meinung deutscher Autobosse zusammengefaßt: Die Autoindustrie hält ab Herbst Preiserhöhungen für möglich, wenn die Tarif Verhandlungen in der Metallindustrie Lohn- und Gehaltserhöhungen brächten. Da Tarifverhandlungen nun einmal immer mit Lohnerhöhungen enden und da die Automobilindustrie über Preiserhöhungen nur spricht, wenn sie wirklich geplant sind, ist eines sicher: Deutsche Autos werden bis Ende des Jahres teurer.

Und wie immer müssen zur Begründung als Hauptschuldige die Gewerkschaften und als Mitschuldiger die Regierung herhalten. Und wie immer sieht die Wirklichkeit etwas anders aus: Die überraschend starke Autonachfrage in den ersten fünf Monaten des Jahres und die Auftragslage für die nächsten Monate garantieren schon jetzt ein gutes Autojahr 1971. Und warum soll man einen Markt, der auf die letzten Preiserhöhungen gar nicht reagiert hat, nicht voll ausschöpfen? Das Ergebnis im Idealfall: Eine Dämpfung der Autonachfrage und damit endlich Abbau von überstunden und Sonderschichten sowie eine spürbare Aufbesserung der Gewinne.

Den Bonus bekämen dann die Aktionäre. Den Dank für die willkommenen Argumente aber bliebe man den Gewerkschaften und der Regierung natürlich schuldig. rod