Als Apologet der amerikanischen Verteidigungswirtschaft versuchte sich der frühere Direktor der US-Luftfahrtbehörde Pete Quesada. Als Beweis dafür, daß die Bedeutung der Rüstungsunternehmen für die amerikanische Wirtschaft nur begrenzt sei, führte er den Börsenwert der Kosmetikfirma Avon an: Aus den Kursen vom 26. April errechnete er, daß dieses Unternehmen allein mehr wert ist als die zehn größten Rüstungskonzerne zusammengenommen.

Avon Cosmetics wurde an diesem Tag von der Börse mit 5,6 Milliarden Dollar bewertet. Die zehn Rüstungsgiganten, darunter Lockheed, General Dynamics, Litton Industries und Boeing, waren den Börsianern zusammen nur 4,7 Milliarden Dollar wert. Tatsächlich stehen die Aktien der Rüstungsunternehmen schlecht. Bei Lockheed zum Beispiel, weil der drohende Bankrott noch immer nicht endgültig gebannt ist, bei Boeing, weil das SST-Programm abgeblasen wurde. Für die anderen Unternehmen gibt es ähnliche Erklärungen für die niedrigen Aktienkurse. Hätte Quesada den Napalm-Produzenten Dow Chemical hinzugezogen, wäre das Ergebnis anders ausgefallen.

Die gleiche Beweisführung mit Hilfe der Umsatzziffern von Avon und den zehn Waffenschmieden hätte ein anderes Bild ergeben: Avon hat 1970 rund 759 Millionen Dollar umgesetzt, die Rüstungsfirmen dagegen 24 Milliarden. Bevor Lippenstift und Puder es mit der wirtschaftlichen Bedeutung von Panzern und Raketen aufnehmen können, muß mehr geschehen als eine Vergewaltigung der Statistik. kde