Von Wieland Schmied

Wenn das Klima für zeitgenössische Kunst in Deutschland allgemein günstig ist, dann hat ein Dutzend nach Voraussetzung und Funktion unterschiedlicher Institutionen daran einen wesentlichen Anteil: die Kunstvereine. Nun scheinen sie, schon ihrer demokratischen Struktur und ihrer bescheidenen Mittel nach, leicht verwundbar, in der Existenz gefährdet.

Die Kunstvereine, so hört man, so liest man, stecken in der Krise. Beispiele werden genannt von Hamburg bis München, düstere Prognosen für die Zukunft gestellt.

In Hamburg ist noch ungewiß, wie es nach dem Tode von Hans Platte (der zuvor, vieler Querelen halber, gekündigt hatte) und ohne Unterstützung durch öffentliche Mittel weitergehen soll. In Berlin, wo der alte Kunstverein in eine linke und eine rechte Hälfte zerbrochen ist, hat der engagierte Knut Nievers den einen dieser Nachfolgevereine, die "Neue Gesellschaft für bildende Kunst", soeben verlassen. In München scheint der Kunstverein, seines Leiters beraubt, am Konkurs nur gerade noch vorbeizukommen, indem er sich aller größerer. Aktivitäten enthält.

Die Gründe, die zu diesen Krisen geführt haben, mögen jeweils verschiedene sein, eines jedoch steht fest: sie sind mehr struktureller als personeller Art, so sehr im einen oder anderen Fall der Direktor eines Instituts von seiner Kündigung oder das Institut von der Kündigung seines Direktors betroffen sein mögen.

Aus einer Krise führt kein Weg zurück. Die gute alte Zeit mit den schönen Nolde-Aquarellen an der Wand ist dahin. Der Bedarf an problemlosen Retrospektiven "gesicherter" Kunst ist gedeckt. Oder, anders gesagt: die Kosten einer Gesamtausstellung eines arrivierten, vom Markt voll akzeptierten Künstlers sind so hoch, daß sie nur durch bedeutende öffentliche Zuschüsse zu decken sind. Die besagte Ausstellung von Nolde-Aquarellen mag da gerade noch die Ausnahme sein, denn Aquarelle sind nicht so teuer wie Bilder, Versicherungsprämien und Transportkosten. Umfassende Bilderausstellungen von Klassikern wie Bonnard, Vuillard oder Marquet aber sind durch die Einnahmen aus Eintritten nicht zu bezahlen. Ein privater Kunstverein, selbst in einer Großstadt, wird die Kosten einer solchen Retrospektive aus eigenen Mitteln nur in Ausnahmefällen aufbringen können – wer ihn zu derlei Initiativen ermuntert, sollte auch bereit sein, die Ausfallgarantie zu übernehmen.

Prinzipiell ist gegen solche Ausstellungen nichts einzuwenden. Würden sie wirklich, wie das Gerücht meint, das viele Geld in die Kasse bringen, sollten sie schon zur Finanzierung experimenteller Unternehmungen willkommen sein. Unbedingt nötig aber sind sie nicht. Damit ist nichts gegen Bonnard und nichts gegen Nolde gesagt.