ZEITSPIEGEL – Seite 1

"Wir plaudern nicht nur."

Egon Bahr

Staatssekretär im Bundeskanzleramt

über seine Gespräche mit dem DDR-Staatssekretär Kohl

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"Bei meinem Abschied konnte ich nicht einen Seufzer der Erleichterung darüber unterdrücken, daß Deutschland so sicher geteilt ist. Eine Phalanx von 17 Millionen Deutschen auf dem Weg zum Sozialismus reicht mir. Es ist eine Erleichterung, daß der Ehrgeiz von 60 Millionen Westdeutschen durch kapitalistischen Wohlstand aufgesaugt wird..."

Richard Crossman

ZEITSPIEGEL – Seite 2

ehemaliger Labour-Minister,

über einen DDR-Besuch

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"Ich weiß nicht, wo wir uns das nächste Mal sehen werden – hier aber auf dem Sinai."

Anwar El-Sadat

ägyptischer Staatschef,

vor Offizieren am Suezkanal

ZEITSPIEGEL – Seite 3

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"Spaniens Weg nach Europa führt durch Frankreich."

Gregorio Lopez Bravo

spanischer Außenminister,

nach seinem Frankreich-Besuch

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"Das Herz kennt keine Politik."

ZEITSPIEGEL – Seite 4

Erich Sega!

Verfasser von "Love Story"

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"In den Finger werden sich alle die schneiden, die mich als müden und resignierenden Mann abtun möchten."

Willi Weyer

FDP-Landesvorsitzender von Nordrhein-Westfalen

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ZEITSPIEGEL – Seite 5

"An der Rechtschaffenheit von Grass, an der Redlichkeit seines Eifers, auch wenn er Unrecht tut, zweifle ich keinen Augenblick; aber müssen wir ihm deshalb mit Dieter Lattmann seine ‚Angriffsfläche‘ – das riesige Brett, das er vor dem Kopf hat – auch noch vergolden?"

Urs Jenny

in der Süddeutschen Zeitung

Selbstanzeige

Fortan wird niemand mehr sagen können, die Präsidenten Kennedy und Johnson seien in den Vietnamkrieg "hineingeschlittert". Der McNamara-Report – eine 7000 Seiten füllende Analyse und Dokumentation des amerikanischen Engagements in Indochina, die auf Geheiß des ehemaligen Verteidigungsministers zusammengestellt wurde und nun, drei Jahre danach, in der New York Times nachzulesen ist – läßt keinen Zweifel mehr zu: Nicht dem Zornesausbruch eines Texaners, nicht der Empfindlichkeit einer arg provozierten Weltmacht sind die Entscheidungen entsprungen, sondern dem falschen kalten Kalkül hochintelligenter, hochangesehener Ratgeber im Weißen Haus. Der Report ermangelt nicht der erfreulichen, ermutigenden Züge. Immer ist auch die Stimme der Vernunft zu Wort gekommen, wenngleich kein Präsident sie hören wollte. Kenntnisreiche Berater haben vor den Trugschlüssen der Eskalation gewarnt. Warnungen vor dem "schmutzigen Krieg" wurden geäußert von Männern jener Organisation, der gewöhnlich eine Vorliebe für schmutziges Handwerk nachgesagt wird – der CIA. Die Veröffentlichung des McNamara-Reports ist ein Beweis für die Stärke einer offenen Gesellschaft, die sich immer wieder gegen die Heimlichkeiten der Obrigkeit zu wehren versteht.

Streik beim "Spiegel"?

Alexander von Hoffmann, Spiegel-Redakteur und Leiter des Deutschland-Ressorts I, soll von seinem Posten als Ressortchef abgelöst werden. Grund: Zwischen von Hoffmann und einem Mitglied der Bonner Spiegel-Redaktion soll es Differenzen geben. Der Bonner Mann, so argumentieren Chefredaktion und Herausgeber Augstein, sei wichtiger als der verantwortliche Redakteur im Hamburger Stammhaus – selbst für den Fall, daß aus Bonn unbefriedigende Geschichten geliefert würden. In der Redaktion sieht man allerdings in der Abberufung einen "ersten Schuß gegen die Linken": Alexander von Hoffmann wurde vor vierzehn Tagen als linker Kandidat mit großer Stimmenmehrheit an die Spitze des Redaktionsrates gewählt. Die Redaktionsvollversammlung soll sich jetzt mit dem hausinternen Streit befassen. "Streik", so meinte ein Redakteur, "ist jetzt nicht mehr ausgeschlossen." Für den Fall, daß die Redaktionsvollversammlung einen Beschluß fassen sollte, hat, so heißt es, Augstein angekündigt, er müsse das vorgesehene Mitbeteiligungsmodell ("Modell II") noch einmal überdenken.

ZEITSPIEGEL – Seite 6

Sinjawskij frei

Ende voriger Woche wurde der sowjetische Schriftsteller Andrej D. Sinjawskij aus dem mordwinischen Arbeitslager Potma entlassen: Achtzehn Monate seiner siebenjährigen Haftstrafe sind ihm damit geschenkt worden. Als Grund für die vorzeitige Entlassung, die bei politischen Verurteilten in der Sowjetunion sonst nicht vorkommt, wurde seine mustergültige Führung angegeben. Julij Danielj dagegen, der mit Sinjawskij zusammen im Jahre 1966 in einem weltweite Proteste auslösenden Prozeß ebenfalls wegen verleumderischer antisowjetischer Tätigkeit verurteilt worden war, mußte seine fünfjährige Haftstrafe bis September 1970 voll verbüßen; durch herausgeschmuggelte Protestschreiben und Hungerstreiks hatte er seine anhaltende Aufsässigkeit zu verstehen gegeben. Wie die meisten ehemaligen politischen Gefangenen dürfen weder Sinjawskij noch Danielj vorläufig in Moskau wohnen. Ein anderer Grund für die Liquidierung des Falles Sinjawskij/Danielj könnte allerdings auch der bevorstehende sowjetische Schriftstellerkongreß sein – eine der unerfreulichsten Kapitel jüngerer sowjetischer Kulturgeschichte braucht ihn nun nicht mehr zu belasten.