Wilfried Strik-Strikfeldt: "Gegen Stalin und Hitler. General Wlassow und die russische Freiheitsbewegung"; Verlag von Hase und Koehler, Mainz 1970; 287 S., vier doppelseitige Bildtafeln; 25,– DM.

Es war sicher berechtigt, wenn sich nun auch noch Wilfried Strik-Strikfeldt bei diesem Thema zu Wort meldete, war er doch auf deutscher Seite diejenige Persönlichkeit, die den engsten Kontakt zu General Andrej Wlassow gewann und pflegte.

Als Baltendeutscher und ehemaliger kaiserlichrussischer Offizier verkörpert er einen Typus, dessen Eigenschaften in generationenlanger Erziehungsarbeit geformt wurden: stark patriarchalisch getönter Führungswillen und religiös gebundener Idealismus verbanden sich bei ihm in einer Ausprägung, die auch bei dem zeitgenössischen Russen Sympathie und Vertrauen löste.

Unter den Arbeiten zum gleichen Thema beschwört dieses Buch daher unmittelbar den Geist der führenden Persönlichkeiten in der russischen Freiheitsbewegung; ebenso läßt es die Atmosphäre lebendig werden, in welcher die Freiwilligenverbände aufgestellt und verwendet wurden. Strik-Strikfeldt fußt dabei ausschließlich auf seinen Erinnerungen, offensichtlich ohne nachträglich geforscht zu haben und auch ohne seine Schilderung dokumentarisch zu belegen,

Dieser Umstand macht Schwäche und Stärke des Buches aus. Angaben, die nicht im Blickfeld des Verfassers lagen (zum Beispiel das Organisationsschema), sind ungenau. Auch der aus dem Gedächtnis rekonstruierte Inhalt des Flugblattes, das zu Beginn des Rußlandfeldzuges die russische Bevölkerung zur Mitarbeit mit den deutschen Truppen auffordern sollte, scheint mir nicht zutreffend wiedergegeben.

Strik-Strikfeldt betont in seinem Bericht das Humane, so wie es für ihn und den Kreis, in dem er stand, während des Krieges offensichtlich bebestimmend war. Damit wird seine Darstellung zu einer Schilderung der menschlichen Tragödie Wlassow, des hochbegabten Bauernsohnes und sowjetischen Generals, der durch Krieg und Gefangenschaft in einen tödlichen Widerstreit geriet: zwischen Vaterlandsliebe und Menschlichkeit, zwischen Feindschaft gegen den Krieg und Verachtung für eine pervertierte Ideologie. Der Verfasser war auch aus religiösen Motiven.davon überzeugt, daß ein nicht sowjetisches Rußland, in welcher politischen Gestalt auch immer, ein unentbehrliches und gleichwertiges Glied der Völkerfamilie sei; Russen waren für ihn Partner. Daß diese Art der politischen Haltung längst ihre Heimstatt in Deutschland verloren hatte, vermochte er nicht zu erkennen.

Aber auch Wlassow, der die Situation und den jammervollen Zustand politischen Denkens in Deutschland viel schärfer erfaßte, war offensichtlich immer wieder beeindruckt von dem Ethos der wenigen deutschen Offiziere, die ihm in dieser Haltung gegenübertraten: Auch bei ihm scheint dann, stets von neuem angeregt, ein Gefühl der Hoffnung geweckt worden zu sein: Daß hier ein menschlicher Sinn die Politik leitete, der vielleicht doch stark genug sein könnte, um sich in einem siegreichen Deutschland durchzusetzen und die europäische Ordnung zu bestimmen.