Wenn sich die Beteiligten in München nicht noch in letzter Minute besinnen, dann wird vom 30. Juni an die Kündigung des Chefdramaturgen Heinar Kipphardt rechtskräftig und wirksam. Aber offenbar wird nicht nur in München gesäubert:

Dr. Erich Michalka, wie berichtet (ZEIT Nr. 14, 2. 4. 1971), Initiator und Leiter des Jugendtheaters Würzburg und seines Stückes „Krieg ist wunderschön“, wurde der Würzburger Kulturpolitik zu gefährlich. Mit CSU-Mehrheit und Stimmen von FDP und Freier Wählergemeinschaft lehnte der Stadtrat in seiner letzten Sitzung eine Verlängerung von Michalkas Vertrag ab.

Im Falle Dr. Michalka stand die Unschuld der Jugend auf dem Spiel.

Das Stück „Krieg ist wunderschön“ wurde von einem Kollektiv unter der Leitung Dr. Michalkas geschaffen. Ungefähr 40 Lehrlinge, Schüler und Studenten setzen sich darin mit den Zusammenhängen zwischen unterdrückter Sexualität und Aggression, mit der Manipulation durch die Werbung und mit dem Warencharakter der Frau auseinander. Die Spontaneität des Spiels und der reflektierende Bezug auf die Umwelt der Mitspieler veranlaßten die Würzburger CSU-Fraktion, das Stück massiv anzugreifen. Über einen Mittelsmann im Theater beschaffte sich der CSU-Kulturreferent Voll eigenmächtig ein vorläufiges Arbeitspapier mit Jugendtheatertexten. Auf Grund dieser Vorlage schoß sich die CSU auf das Jugendtheater ein. Stadtrat und CSU-Fraktionsvorsitzender Hatzold erklärte, er wolle Michalka „mit allen Mitteln eliminieren“, ohne seine Arbeit jemals selbst gesehen zu haben.

Nach erfolgreichen Aufführungen in München und Fürth, in denen sich das Jugendtheater vom Provinzpflänzchen zum beachtenswerten Experiment mauserte, konzentrierten sich die Angriffe des CSU-Establishments von der Sache weg auf die Person Michalkas.

Seine Weiterbeschäftigung bedurfte nach dem Intendantenvertrag der Zustimmung des Kulturausschusses. Mit drei Ja-Stimmen der CSU wurde der Vertragsentwurf befürwortet. Wenige Stunden nach einer Fraktionssitzung stimmte die Würzburger CSU dann aber im Stadtrat, der alle Verträge letztlich zu bestätigen hat, geschlossen gegen Michalka. Als Begründung des plötzlichen Meinungsumschwunges wurde die schlechte finanzielle Lage des Theaters angeführt, die den Stadträten offenbar erst nach ihren Personalentscheidungen einfiel.

Die SPD sprach sich für das Jugendtheater unter seinem bisherigen Leiter aus und unterstützte ein weiteres Engagement Michalkas.