In London sammelten sich bereits 1966 die Mitglieder der „Artists Placement Group“ (APG), Vermittler zwischen Industriebetriebsalltag und Künstlerutopismus. Die APG setzt sich aus Künstlern und Industriellen zusammen. Jetzt kam sie für drei Tage in die Düsseldorfer Kunsthalle zum neuen „between“.

Das von Jürgen Harten initiierte und längst zu internationalem Ansehen gediehene „between“ in der Kunsthalle der rheinischen Metropole – unkonventionelle Unregelmäßigkeit im ansonsten straff organisierten Ausstellungs-Terminkalender – hat mit dieser „im Stil unserer Zeit“ mit Telephon,Photokopiergeräten, Dolmetscherin und Sekretärinnen ausstaffierten Büro- und Verhandlungsatmosphäre ein neues Selbstverständnis erreicht. Beschränkten sich die bisherigen Aktivitäten von „between“ in erster Linie darauf, Trends und Entwicklungen auf dem Gebiet aktueller bildender Kunst zu zeigen, so öffneten sich jetzt erstmals die Pforten primär einem „bloßen“ Planungs- und Verhandlungswillen: Kontakte zwischen Künstlern und Industriefirmen sollen angebahnt werden. Industriewerke sollen Künstler, die eine spezifische Affinität zu dem jeweils produzierten Material aufweisen, bei sich anstellen, unter Vertrag nehmen als reguläre Werksangehörige und ihnen Arbeitsmöglichkeiten einräumen.

Als Gegenleistung sollen die Künstler sich an einmal auszumachend finanzielle Konditionen bei der Verwertung des bereitzustellenden Industrieprodukts halten und der jeweiligen Firma – auf Wunsch – mit ihren persönlichen Vorstellungen von einem Gesamtkonzept zur Verfügung stehen.

Für England kann die APG bereits auf die geglückte Vermittlung diverser Künstler an Industriebetriebe verweisen. Dort wurden und werden ihre Bemühungen zudem vom Arts Council of Great Britain und vom Ministerium für Technologie unterstützt. In Deutschland gingen die Bestrebungen zuerst einmal dahin, derartige Kontakte auch hier überhaupt erst einmal anzuknüpfen, möglicherweise eine Parallelinstitution ins Leben zu rufen. Eine stattliche Zahl namhafter deutscher Künstler hält sich jedenfalls bereit.

Worum es hier nicht geht, ist eine Neuauflage des altbekannten Spiels, das heute nicht mehr erwünscht ist und ohnehin nur selten funktioniert hat – die Industrie in der Rolle des Mäzens, das Geld als Gönner des Intellekts. Genau diese Konstellation wurde hier zu unterlaufen versucht. Klaus U. Reinke