Das Glück hatte Abdul Bari verlassen. Wie Tausende anderer Leute in Ostbengalen hatte er den verhängnisvollen Fehler gemacht, beim Anblick einer pakistanischen Armeestreife davonzulaufen.

Er war vierundzwanzig Jahre alt, ein schmächtiger Mann, von Soldaten umringt. Er zitterte, weil er wußte, daß man ihn erschießen würde. "Normalerweise hätten wir ihn erschossen, als er davonrannte", informierte mich redselig Major Rathore vom Führungsstab der 9. Division. Wir befanden uns ani Rande eines winzigen Dorfes in der Nähe von Mudafarganj, ungefähr zwanzig Meilen südlich von Komilla "Aber Ihretwegen werden wir ihn erst verhören und überprüfen. Sie sind ja neu hier, und ich sehe, Sie haben noch einen empfindlichen Magen "

"Warum hätten Sie ihn erschossen?" fragte ich mit wachsender Besorgnis und Bestürzung. "Weil er ein Hindu sein könnte oder vielleicht ein Rebell, ein Student oder ein Angehöriger der Awami Liga. Sie wissen, daß wir hinter ihnen her sind, sie aussondern, und sie verraten sich, indem sie davonlaufen "

"Aber warum sie umbringen? Und warum die Hmdus verfolgen?" beharrte ich.

"Muß ich Sie daran erinnern", sagte Rathore streng, "wie die Hindus versucht haben, Pakistan zu zerstören? Ufad jetzt bietet uns der Kampf hier eine ausgezeichnete Gelegenheit, ein für allemal mit ihnen abzurechnen "Natürlich", fügte er eilig hinzu, "töten wir nur die Hindu Männer. Wir sind Soldaten, nicht Feiglinge wie die Rebellen. Sie töten unsere Frauen und Kinder "

Dies war mein erster Eindruck von dem Blutvergießen, das sich in dem grünen Land Ostbengalen ausbreitet. Erst war es das Massaker an den Nicht Bengalen gewesen, als der Haß der Bengalen barbarisch ausbrach. Jetzt war es das Massaker, das die westpakistanische Armee vorsätzlich anrichtete.

Die Opfer des Pogroms sind nicht nur die Hindus von Ostbengalen, die ungefähr zehn Prozent der Gesamtbevölkerung von über 75 Millionen ausmachen. Es sind auch viele tausend bengalische Moslems — unter ihnen Universitäts- und Collegestudenten, Lehrer, Angehörige der Awami Liga, linke Funktionäre und jeder der 176000 bengalischen Soldaten und Polizisten, dessen die Armee habhaft werden kann. Was ich mit eigenen Augen und Ohren während meines zehntägigen Aufenthaltes in Ostbengalen Ende April sah und hörte, macht mit schrecklicher Gewißheit klar, daß es sich bei den Metzeleien nicht um die isolierten Aktionen militärischer Befehlshaber im Felde handelt.