Die East Pakistan Rifles, einst eine fast ausschließlich bengalische Truppe, wurden aufgelöst, ein neuer Verband, die Civil Defence Force, wurde aufgestellt und rekrutiert sich aus Biharis und Freiwilligen aus Westpakistan. Biharis stellen jetzt auch statt der Bengalen die Rekruten für die Polizeikräfte. Sie werden befehligt von Offizieren aus Westpakistan und aus der Armee. Hunderte von westpakistanischen Regierungsbearnten, Ärzten, Radio, Fernseh, Telegraphenund Telephontechnikern sind bereits nach Ostpakistan geschickt worden. Mehr werden geködert mit dem Versprechen, daß sie eine oder zwei Stufen befördert werden. Yahya Khan gab kürzlich eine Anordnung heraus, die es ermöglicht, Zivilbeamte auch gegen ihren Willen in jeden Teil Pakistans zu versetzen.

Man erzählte mir ,daß alle Regierungsko mmissare ebenso wie die stellvertretenden Distriktkommissare in Zukunft entweder Biharis sein werden oder Zivilbeamte aus Westpakistan. Die Regierung hat außerdem an den Universitäten und Colleges von Ostbengalen mit harter Hand aufgeräumt. In ihnen wurden die Brutstätten der Verschwörung gesehen. Viele Professoren sind geflohen, manche sind erschossen worden. Sie werden ersetzt werden durch Kollegen aus Westpakistan. Dieser Kolonialisierungsprozeß verläuft nicht einmal halbwegs effektiv, wie die Administration es sich wünscht. Major Agha, der Vollstrecker des Kriegsrechts in Komilla, gab mir dafür ein anschauliches Beispiel. Er hatte seine Schwierigkeiten, um die einheimischen bengalischen Ingenieure dazu zu bekommen, die Brücken und Straßen zu reparieren, die von den Rebellen zerstört worden waren. Es war vergebens. Agha kannte natürlich den Grund: "Man kann von ihnen nicht erwarten, daß sie arbeiten, wo wir doch viele von ihnen getötet und ihr Land zerstört haben. Wir müssen nun dafür bezahlen "

Die Folgen der Kolonisationspolitik versucht man zu verbergen. Wochenlang bemühten sich Präsident Yahja Khan und Generalleutnant Tikka Khan, in Ostpakistan Unterstützung zu erhalten. Der Erfolg war gleich minus. Die einzige prominente Persönlichkeit, die man bisher für diesen Zweck gewinnen konnte, ist Mr. Nurul Amin, ein altes Mitglied der Moslem Liga und ehemaliger Provinzchef; er ist über siebzig Jahre alt.

Abdul Bari, der Schneider, der das Glück hatte, mit dem Leben davonzukommen, ist vierundzwanzig Jahre alt. Er ist genauso alt wie Pakistan.

Die Armee kann natürlich das Land mit Gewalt zusammenhalten. Aber sie hat dafür gesorgt, daß der Traum jener, die 1947 hofften, einen Moslemstaat mit zwei gleichberechtigten Teilen zu gründen, zerstoben ist. Für lange Zeit werden sich die Punjabi im Westen und die Bengalen im Osten sich nicht mehr als gleichberechtigte Bürger einer Nation fühlen können. Bengalens Zukunft liegt im Dunkel einer Todesnacht. Copyright: Times Newspapers Ltd. 1971 Für die ZEIT übersetzt von Häns Teja Schwaner