Die westpakistanischen Soldaten sind nicht die einzigen, die in Ostbengalen gemordet haben, natürlich nicht. Am Abend des 25. März — dies zu berichten wurde mir von dem pakistanischen Zensor erlaubt — meuterten die in Ostpakistan stationierten bengalischen Truppen und paramilitärischen Einheiten und wüteten unter den Nicht Bengalen mit entsetzlicher Grausamkeit. Tausende von Moslem Familien, viele von ihnen Flüchtlinge aus Bihar, die sich 1947 bei der Teilung für Pakistan entschieden hatten, wurden gnadenlos niedergemetzelt. Frauen würden vergewaltigt, öder man schnitt ihnen die Brüste ab. Auch die Kinder entkamen dem Schrecken nicht. Die glücklichen unter ihnen starben zusammen mit ihren Eltern, aber viele tausend andere müssen den Rest ihres Lebens mit ausgestochenen Augen oder abgeschlagenen Gliedmaßen dahinvegetieren. Mehr als 20 000 Leichen von NichtBengalen wurden in den größeren Städten gefunden, in Tschittagong, Khulna und Jessore. Die wirkliche Zahl der Opfer, so wurde mir anderenorts in Ostbengalen gesagt, kann durchaus bei 100 000 liegen, denn Taüsende von Nicht Bengalen sind spurlos verschwunden.

Die Regierung von Pakistan hat die Welt von diesen ersten Schreckenstaten wissen lassen. Was sie jedoch unterdrückt, sind die Nachrichten von dem zweiten und noch schlimmeren Schrekken, der folgte: als ihre eigene Armee das Töten übernahm. Westpakistanische Beamte schätzen in privaten Gesprächen, daß beide Seiten zusammen 250 000 Menschen getötet haben — wobei diejenigen, die an Hunger oder Krankheiten starben, nicht mitgezählt sind.

Als Reaktion auf die beinahe erfolgreiche Loslösung der Provinz, in der mehr als die Hälfte der Landesbevölkerung lebt, forciert General Yahya Khans Militärregierung ihre eigene "Endlösung" des Ostbengalen Problems "Wir sind entschlossen, in Ostpakistan das Gespenst der Abspaltung ein für allemal auszumerzen, auch wenn das bedeutet, daß wir zwei Millionen Menschen töten und die Provinz dreißig Jahre lang als Kolonie beherrschen müssen", wurde mir wiederholt von ranghöchsten Militäroffizieren und Zivilbeamten in Dakka und Komilla gesagt. Und genau dies tut die westpakistanische Armee in Ostbengalen mit erschreckender Gründlichkeit.

Wir waren nach einem Besuch in Tschandpur mit der untergehenden Sonne um die Wette gefahren (die westpakistanische Armee hält sich in Ostbengalen abends und nachts klugerweise nicht im Freien auf), als einer der rennt ein Mann, Sahib "

Major Rathore stoppte das Fahrzeug abrupt und griff gleichzeitig nach seinem in China hergestellten leichten Maschinengewehr. In weniger als 200 Meter Entfernung sah man einen Mann durch die kniehohen Reishalme laufen.

"Um Gottes willen, schießen Sie mcht", rief ich "Er ist unbewaffnet. Es ist nur ein Dorfbewohner "

Rathore warf mir einen bösen Blick zu und feuerte eine Warngarbe ab. Als der Mann sich in dem üppigen Grün zu Boden warf, waren zwei Schläge mit dem Gewehrkolben auf die Schulter gingen dem Verhör voran.