Von Manfred Bissinger

Frage: Haben Sie Sorge, die Gespräche über eine Truppenverringerung in Europa könnten zu schnell vorangehen und die deutschen Interessen dabei nicht genügend berücksichtigt werden?

Brandt: Nein, diese Sorge habe ich nicht. Die Gespräche über eine beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderung in Europa werden innerhalb des Atlantischen Bündnisses sorgfältig vorbereitet. Wir sind an diesen Vorbereitungen in vollem Umfang beteiligt und haben jede Möglichkeit, unsere Sicherheitsinteressen, die im übrigen ja auch durchweg mit den Interessen unserer Bündnispartner übereinstimmen, zu wahren. Umgekehrt haben wir das gleiche Interesse wie die amerikanische Regierung daran, daß die Gespräche über eine Truppenverminderung erfolgreich sein werden. Dies würde auch unserer Sicherheit dienen, weil der Abbau der militärischen Konfrontation in Mitteleuropa die Gefahr militärischer Konflikte natürlich verringern würde. Schließlich möchte ich darauf hinweisen, daß solche Verhandlungen sicher eine längere Zeit in Anspruch nehmen werden.

Frage: Wer soll sie führen?

Brandt: Der Fahrplan ist folgender: Noch im Sommer, Ende Juli oder im August, wird im Nato-Rat das Problem durchdiskutiert. Am Schluß der Sommerpause, im September oder spätestens Anfang Oktober, wird eine Konferenz der Außenminister-Stellvertreter zusammentreten, um die gemeinsame Verhandlungsbasis zu besprechen. Dann oder schon vorher werden ein Unterhändler oder einige Unterhändler benannt, die zur Verfügung stehen, um mit einem oder einigen Unterhändlern des Warschauer Paktes in die Verhandlungen einzutreten.

Frage: In jedem Fall wird also noch in diesem Jahr verhandelt?

Brandt: Ja, natürlich.