Eine Faschingsdekoration: buntbemalte Papierwände, Papierdecke. Riesensaurier aus Pappmaché in den Ecken. Plastikkügelchen als Schnee. Hundert Leute sitzen auf unbequemen Drehstühlen an den Längsseiten der „Concordia“, im Experimentiergetto des Bremer Theaters, und sehen „Weltmeisterschaft im Klassenkampf“, unter welchem Titel sich eine kesse, grobianische und noch nicht einmal inadäquate Bearbeitung des „Mysteriums Buffo“ von Majakowskij durch Peter O. Chotjewitz verbirgt. (Nur der rhetorische Faustkampf zwischen Nixon und Breschnjew scheint von Majakowskijs Zirkuspantomime „Kampf um die Weltmeisterschaft der Klassen“ angeregt, wo Iwan mit Woodrow Wilson fightet.)

„Mysterium Buffo“, 1918 und (zweite Fassung) 1921 geschrieben und gespielt, ist ein Produkt der Revolution: ein hastiger, ausladender und enthusiastischer Versuch, den siegreichen Sowjets das ihnen gemäße Theater zu geben, allegorisch, übermütig, großspurig, kraftvoll. Chotjewitzens Aktualisierung des Textes hat vor allem einen Mangel: Die siegreiche Revolution, die übermütig ihren Sieg feiernden Revolutionäre gibt’s nicht hierzulande. Dies will ein Festspiel sein – angesichts einer erstmal traurig versackten Revolte.

In derbem Kasperletheaterspiel werden deutsche Kapitalisten, französische Modedamen, persische und afrikanische Potentaten in der Sintflut, auf der Arche von erst geduckten, dann klassenkämpferischen Proleten untergebuttert (erster und zweiter Akt). Die Sieger destruieren auch die Hölle mit den kleinbürgerlichen Teufeln und den Himmel mit den klugschwätzenden Endzeit-Philosophen (dritter und vierter Akt). In einem kindergläubigen Demonstrationszug schließlich wallen (fünfter Akt) die formierten Proletarier auf eine chinoise Fahne mit untergehender Sonne permanent (maoistisch) zu (skandierter Gesang: „Die Revolution ist nur der erste Schritt“).

All diesen absichtlich platten, wortreichen Allegorien fehlt in der anfangs beschriebenen engen Papierhöhle auch noch der Raum zur Entfaltung: zwei Dutzend Darsteller – sie sagen ihre gereimten Sätze entweder zähnefletschend (kapitalistisch) oder wie natürlich (proletarisch) auf – sind in eine zweifünfzig hohe, schlittenartige Arche zusammengequetscht, drängeln sich an Bord und in dem Bauch des Fahrzeugs, tuscheln sich Einsätze zu, stolpern auch mal. Das Bekenntnis zur nicht stattgegebenen Revolution (Regie: Klaus Michael Grüber) verkommt zu eiferndem Dilettantismus, und selbst die rote Sonne will am Schluß nicht aufgehen (das Transparent entrollt sich nicht, Bänder müssen langwierig durchschnitten werden). Der arg verspätete Schritt zum frisch-fröhlichen Revolutions-Spektakel mißlang. Henning Rischbieter