Von Richard Schmid

Richard Schmid, Dr. jur., bekannt durch seine „Kritik an Gesetzen und Gerichten“, war Oberlandesgerichtspräsident in Stuttgart

Der Fall des aus dem Schuldienst entlassenen Assessors Helmut Kommer, früher am Gymnasium in Wertheim, ist exemplarisch dafür, wie die Ausscheidung selbständiger Köpfe und Charaktere aus dem Beamtenkörper, und die Mitwirkung der Rechtsprechung dabei, immer noch gut funktioniert.

Das Verwaltungsgericht Karlsruhe hat den Widerruf des Beamtenverhältnisses, den das Oberschulamt von Nordbaden, kurz nachdem Kommer die Assessorenprüfung bestanden hatte, ausgesprochen hat, bestätigt. Damit ist nicht nur dem begabten und beliebten Lehrer Unrecht geschehen; ebenso schwer wiegt, daß mit einem solchen Urteil – was ja auch wohl sein Hauptzweck ist – antiautoritäre Regungen und Meinungen junger Beamter unterdrückt werden.

Das Oberschulamt hatte gleich zu Beginn des Konflikts schon den Assessor Kommer wissen lassen, daß „es erwarte, daß er sich in dieser Sache jeder weiteren öffentlichen Meinungsäußerung enthalte“ – was eine flagrante Grundrechtsverletzung ist, und das gegenüber einem Mann, der sich um seine berufliche Existenz wehrt.

Nach John Stuart Mill, dem Philosophen der Freiheit, tritt der Hauptschaden nicht bei dem Unterdrückten ein, sondern bei den vielen anderen, deren „geistige Entwicklung sich verkrampft und deren Vernunft eingeschüchtert wird“, nämlich bei den gescheiten, aber ängstlichen Menschen, die keinen unabhängigen Gedanken mehr zu denken und zu äußern wagen.

Der Konflikt entstand daraus, daß der Direktor Max des Wertheimer Gymnasiums versucht hatte, die Wahl des Schülers Bräuer als Schulsprecher zu verhindern und, als die Wahl doch mit großer Mehrheit erfolgt war, ihre Bestätigung zu umgehen. Der Herr Direktor war nicht zu sprechen, als ihm der Neugewählte am Tage nach der Wahl seine Aufwartung machen wollte. Der Schüler bat am folgenden Tag schriftlich um Bestätigung der Wahl. Als der Direktor bei einem Telephongespräch mit der auswärts wohnenden Mutter des Schülers keine Unterstützung fand, gab er schließlich den Widerstand auf.