Von Hans Otto Eglau

Als Fachmann für Kartographie im Range eines Gefreiten. sorgte Gerhard Falk im Krieg dafür, daß seine 159. Division sicher den Rückzug aus Rußland antrat. Als „Europas größter Stadtplanverleger“ führt er im Frieden Armeen stadtfremder Touristen durch deutsche und ausländische Metropolen.

Mehr als 2,5 Millionen Stadtpläne setzt Falk, Alleininhaber des Hamburger Falk-Verlags, jährlich ab. „Falk-Pläne“ sind heute praktisch Gattungsartikel, die nahezu jedes Kind kennt. Gerhard Falk konnte in der Vergangenheit so starke Auflagensteigerungen verzeichnen, daß er den für die meisten seiner Pläne vor 15 Jahren festgesetzten Preis von 3,90 Mark bis heute nicht zu erhöhen brauchte. Sein Hamburg-Plan ist sogar seit 20 Jahren nicht teurer geworden.

Gerhard Falk, 49, Sohn eines Berliner Bankiers, beschäftigte schon während seines Studiums der Kartographie immer der Plan, einmal einen Verlag zu gründen. Die Gelegenheit dazu ergab sich, als er als 23jähriger Kriegsheimkehrer 1945 in Hamburg landete und sich nach einer Existenz umsah. Seine erste Idee: einen Hamburg-Plan herauszugeben, auf dem er alle zerstörten Straßenzüge mit einem roten Rasterüberdruck zu kennzeichnen gedachte. An Hand seines Plans sollten sich vor allem Flüchtlinge und rückflutende Evakuierte in der stark veränderten Stadt orientieren.

Bei Kerzenlicht zeichnete Falk zusammen mit einigen Fachkräften, die er praktisch auf der Straße aufgelesen hatte, in einer alten Kneipe die ersten Karten. Mit einem Fahrrad fuhr er das zerbombte Hamburg ab und trug auf einem alten Plan ein, was noch heil und was zerstört war. Sein Arbeitspensum: ein halber Stadtteil pro Tag.

Zum Preis von drei Reichsmark lieferte er im Oktober 1945 seinen ersten Hamburg-Plan aus, ein Jahr später kam ein Hannover-Plan dazu und 1947 Pläne von Düsseldorf und Frankfurt. Zwei Patente waren es, die im Grunde, für seinen Erfolg entscheidend waren: einmal das von ihm selbst entwickelte Spezialfaltverfahren, das seine Pläne zu äußerst handlichen Orientierungshilfen werden ließ, die man sogar in einer überfüllten Straßenbahn benutzen konnte. Mit Hilfe der von Falk eingeführten „Hyperboloid-Projektion“ war es außerdem möglich, die weniger dicht besiedelten Randbezirke der Städte im Plan erheblich „zusammenzustauchen“, um auf diese Weise Platz zu sparen.

Neben diesen technischen Finessen verdanken Gerhard Falks Stadtführer ihre Beliebtheit aber vor allem ihrer ansprechenden Darstellung und ihren nahezu hautsympathischen Hochglanzumschlägen. Falk erkannte schnell, daß er seine „Militärkarten in eine leicht lesbare Kartographie übersetzen mußte, um einen wirklichen Konsumartikel zu schaffen. Durch kräftige Farbkontraste erreichte er eine ebenso plastische wie ästhetisch ansprechende Darstellung. Rathäuser, Kirchen, Stadien und Denkmäler bildete er in seinem Labyrinth von Straßen und Plätzen gegenständlich ab und machte seine Pläne auch für solche Leute attraktiv, die im Umgang mit Karten kaum Übung hatten. Falk: „Unser Produkt ist die Bildzeitung unter den Stadtplänen.“