Von Friedebert Becker

Der europäische Fußball folgt neuen Fußballgesetzen. Der volkstümliche Europapokal macht aller Welt den umwälzenden Wandel klar. Kürzlich sahen wir im originellen Londoner Finale zwischen einer, holländischen Mannschaft – Ajax Amsterdam – und einer griechischen – Panathinaikos – die Bestätigung einer Erkenntnis, die sich schon vor Jahren abzeichnete.

Die Ära des Spiels um des Spiels willen ist vorbei. Die Tage von Real Madrid und Benfica und AC Milan und Inter Milan flossen dahin. Der Zweckfußball, der hohe Technik in scheinbar, nur scheinbar (!) „primitivere“ Fußballkunst ummünzt, hat die Phase taktisch überwunden, da man sich durch Ballartisteleien düpieren und – zugegeben – bestechend überspielen ließ.

Symbolisch und kennzeichnend hierfür ist die verblüffende Serie der letzten fünf Finale des Europapokals der Meister. Alle fünfmal erreichten sie Meister britischen Stils: Celtic Glasgow (1967), Manchester United (1968), Ajax Amsterdam (1969), Feijenoord Rotterdam (1970) und nun wieder Ajax Amsterdam. Unter Repräsentanten des „britischen“ Stils verstehen wir alle Teams aus Räumen nördlich der spanisch-italienisch-portugiesisch-französischen und mitteleuropäischen Linie. Also auch den deutschen prägen britische Stilzüge genau wie den holländischen, der jetzt dreimal hintereinander, zweimal erfolgreich, das Europapokalfinale der Meister mit beherrschte. Viermal holten Mannschaften britischen Stils in den letzten fünf Jahren den Pokal heim.

Zufall? Oder nur das Ergebnis der auch soeben in London offen beklagten Tatsache, daß es derzeit keine Ruhmesmannschaft vom Range eines Real Madrid mehr gibt? Also Niedergang? Niedergang des Europapokals, des europäischen Fußballs? Nein. Verändert hat sich nicht die Klasse des Effekts im Fußball, sondern nur der Stil. Und die Entwicklung beweist zwingend, daß der moderne Stil in der Wirkung dem alten (Real)Stil überlegen ist. Man mag sagen: leider, aber man darf die Erfolgsserie des praktischen Stils seit Celtics Triumph in Lissabon über Inter – nur durch AC Milan nochmal unterbrochen – nicht in ihrem Wert herabsetzen.

Vielleicht erkennen und werten erst spätere Generationen, in welchem Ausmaß sich der Fußball taktisch und in der Auswertung der Technik grade in unseren Jahren elementar gewandelt hat.

Selbst die vielumstrittene Spielweise der großen Inter-Mailand-Mannschaft trug schon die Keime des „britischen Stils“ in sich. Inter spielte bereits nicht mehr, nur um zu spielen, sondern steuerte (allem Protest wegen übertriebener Defensive zum Trotz) den Zweck, den Erfolg an. Erst als die Mannschaft überalterte und ihrem originellen Stil einen typischen britischen Zug – Kondition und Schnelligkeit – nicht mehr so deutlich -beigeben konnte, wurde sie durch das technisch ebenso hochwertige, aber vitalere und zweckmäßige schottische Celtic überflügelt.