Die letzte Hürde vor dem britischen EWG-Beitritt ist gefallen. Nach einer langen Nachtsitzung, die mehrfach zu scheitern drohte, einigten sich der Ministerrat und der britische Chefunterhändler Rippon am frühen Mittwochmorgen in Luxemburg auf zwei Kompromisse:

  • London wird die Butter- und Käseimporte aus Neuseeland vom Datum seines Beitritts bis Ende 1977 auf 71 Prozent der gegenwärtigen Menge senken. Weitere Garantien für Neuseeland soll die um England erweiterte Gemeinschaft später beraten. Neuseelands stellvertretender Ministerpräsident John Marshall, in einem Hotel nahe des Konferenzortes untergebracht, hatte andere Vorschläge als unzureichend verworfen.
  • Großbritannien übernimmt im ersten Mitgliedsjahr (wahrscheinlich 1973) 8,6 Prozent der Kosten. Der Anteil steigt bis 1977 auf 18,92 Prozent. Am Montag hatten sich die Sechs nicht über den britischen Beitrag einigen können. Die Vorstellungen lagen zwischen sechs und elf Prozent.

Schon vor der Nachtsitzung war mit London in zwei anderen Punkten – Montanunion und Vertretung in den Institutionen – Einvernehmen erzielt worden. Keine Einigung erreichten die Minister dagegen mit Norwegen. Außenminister Cappelen bestand auf umfassenden Sonderregelungen für Landwirtschaft und Fischerei. Die vier beitrittswilligeri Staaten wollen mit der EWG am 12. Juli über Fischereifragen beraten.