ZDF, Freitag, 18. Juni: „Der Kommissar von Herbert Reinecker; ZDF, Sonnabend, 19. Juni: „Wünsch dir was“, mit Dietmar Schönherr und Vivi Bach

Familie Schönherr trabte durch den Regen draußen. Drinnen saßen die Schweizer, die österreichische und die deutsche Familie – dazu das Publikum von „Wünsch dir was“ – im Trockenen. Es ging um die Großeltern. Dietmar Schönherr, er war inzwischen auch auf dem trockenen, erwies sich als ihnen und Leuten gleichen Alters („dreiundachtzig Jahre“ wiederholte er wie voller Bewunderung darüber, daß es jemand so lange aushalten kann) in rührend bemühter Weise zugetan und sprach mit Vorliebe von „Omas“ und „Opas“.

Das alleine – aber es war nicht die einzige Herablassung eines etwas allzu beflissenen Vierzigers, der sich noch sehr jung vorkommt – hätte den Familienbefrager reif gemacht für eine Rolle im Krimi des Freitags, dem mit Recht beliebten „Kommissar“, der inzwischen die kriminelle Importware von der amerikanischen Stange auf die Plätze verwiesen hat.

Am Freitag lösten die Insassen eines Altersheimes das auch in der Schönherr-Sendung angeschnittene Problem der Beschäftigungstherapie auf ihre Weise: Sie brachten mittelalterliche Leute, Vierziger, die auf Kosten der Alten leben, mit Hilfe eines geschickt geschwungenen Stuhlbeins um, den Heimleiter wie den Schnapsladenbesitzer – einen überheblichen und zu diesem Thema wirklich ziemlich dummen Conférencier hätten sie auch noch mit erledigt.

Es ist sicher sehr löblich, daß sich das Fernsehen nun auch schon in seinen Unterhaltungssendungen der alten Leute annimmt. Höchst erstaunliches Ergebnis: die scheinbar zynisch-brutale Darstellung im Kriminellenmilieu des Polizeifilms war im Effekt viel menschlicher und wirklichkeitsnäher als Schönherrs langweilige und anmaßende Manipulation der wirklichen „Omas“ und „Opas“.

Gestützt auf Autoritäten der Soziologie, verriet uns Schönherr: Es gab noch nie so viele alte Leute wie heute. Als kleine Gegenleistung möchten wir ihm verraten: Es gab auch noch nie so viele junge Leute wie heute. Des Rätsels Lösung: Es gab überhaupt noch nie so viele Leute wie heute.

Es ist schade um Schönherr: Der Grundeinfall dieser Sendung war gewiß Vorgängern wie „Das ideale Brautpaar“ abgelauscht, aber dennoch gut. Und der Wille, nicht nur zu unterhalten, sondern, nach klassischen Mustern, dabei gleichzeitig ein bißchen zu belehren, war doch löblich. Auch und gerade Schönherrs salonfähiges Links-Engagement wirkte ganz erfrischend im konservativen Illusionismus des internationalen Showbusiness.