Auf dem Kölner Messegelände begegneten sich Kapital und Arbeit. Die Aktionäre der Farbenfabriken Bayer strebten in die Halle 9 zur Hauptversammlung ihres Unternehmens, die Chemiewerker aus dem Bezirk Nordrhein waren auf dem Weg in die nur einen Steinwurf entfernte Sporthalle. Dorthin hatten die Funktionäre der IG Chemie zu einer Protestversammlung gegen die unnachgiebige Haltung der Arbeitgeber in den Lohnverhandlungen gerufen.

Hier 8000 protestierende Arbeiter, von denen allerdings die wenigsten aus dem weitgehend IG-Chemie-fernen Bayer-Werk gekommen waren, dort 2500 Bayer-Aktionäre, die sich erbittert gegen nach ihrer Ansicht überhöhte Lohnforderungen zur Wehr setzten. Wer aber geglaubt hätte, hier wie dort wurde die Gelegenheit genutzt, der Gegenseite den eigenen Standpunkt klar zu machen, sah sich enttäuscht.

Mit deutscher Disziplin rollten die Veranstaltungen hier wie dort ab, verhallten starke Worte ohne Echo und ohne Reaktion. Selbst als sich die Wege der Kontrahenten kreuzten, fiel kein böse? – oder klärendes – Wort. Von der Gewerkschaftsveranstaltung nebenan waren die Aktionäre nur insofern betroffen, als die Autos der Chemiewerker die Parkplätze blockierten. Die Aktionäre wurden dadurch zu einem längeren Weg durch den Regen gezwungen. Aber Kapitalgeber und Arbeitnehmer werden wohl noch lange aneinander nur vorbeireden und -gehen, mh