Aus der Rede von Leonid Breschnjew vor dem VIII. Parteitag der SED:

"In diesem Zusammenhang möchte ich auf die Bedeutung des am 12. August vorigen Jahres unterschriebenen Vertrages zwischen der UdSSR und der BRD eingehen. Im Westen behaupten manche, im Rahmen dieses Vertrages mache die BRD der Sowjetunion "Zugeständnisse". Wir glauben jedoch, daß die Verpflichtungen, die sich für uns aus dem Vertrag vom 12. August ergeben, für die BRD von nicht geringerem, wenn nicht gar größerem Wert sind, als ihn die analogen Verpflichtungen der BRD für die Sowjetunion haben. Das gilt sowohl für die Frage des Gewaltverzichts als auch für die Respektierung der Unantastbarkeit der Grenzen und dafür, daß man sich in den wechselseitigen Beziehungen von den Bestimmungen der UN-Charta leiten lassen muß. Es handelt sich folglich nicht um irgendwelche einseitigen Zugeständnisse – diese liegen von keiner Seite vor –, sondern um das politische Wesen und die allgemeine Zielsetzung des Vertrages.

In Kraft getreten, kann und muß der Vertrag mit der BRD in den Beziehungen zwischen der BRD und der Sowjetunion ein neues Blatt aufschlagen, einer umfassenden gegenseitig nützlichen Zusammenarbeit in der Wirtschaft und auf anderen Gebieten den Weg bahnen...

Ein paar Worte über den unmittelbaren Nachbarn Ihrer Hauptstadt, über Westberlin. Wie Sie wohl wissen, sind die gemeinsamen, vereinbarten Bemühungen der Sowjetunion und der DDR darauf gerichtet, daß Westberlin aufhöre, Auslöser von Spannungen und von Krisensituationen zu sein und daß normale Bedingungen für das Leben dieser Stadt und ihrer Bevölkerung gesichert werden, selbstverständlich bei gebührender Berücksichtigung der legitimen Interessen und der souveränen Rechte der Deutschen Demokratischen Republik.

Wir sind der Auffassung, daß die gegenwärtig laufenden Verhandlungen über Westberlin es ermöglichten, zunächst die Positionen der interessierten Seiten zu klären. Es ist deshalb natürlich, daß die Verhandlungen nunmehr ins Stadium der Prüfung konkreter Vorschläge zum Inhalt einer möglichen Übereinkunft treten. Ich weiß nicht, wie es damit bei unseren Verhandlungspartnern steht, doch wir sind unsererseits bereit, Bemühungen daranzusetzen, dieses Anliegen zum erfolgreichen Abschluß zu bringen und darauf hinzuwirken, daß eine effektive Vereinbarung erzielt und verwirklicht wird..."