Von Dieter Buhl

Luxemburg, im Juni

Mit einem Schlag gab es nur noch zufriedene Gesichter. Die Sorgenfalten waren verflogen, als der französische Außenminister Schumann verkündete: "Die Verhandlungen mit der Regierung des Vereinigten Königreiches sind erfolgreich abgeschlossen worden." Auf diesen Satz hat Europa lange warten müssen.

Als er fiel, war in Luxemburg ein strahlender Sommermorgen angebrochen. Nach zwei schlaflosen Nächten saßen Schumann und Großbritanniens Europaminister Rippon Seite an Seite den Journalisten gegenüber. Sie hatten nicht mehr viel zu sagen. Die Strapazen der letzten 48 Stunden ließen sie auf große Worte verzichten, die der historischen Stunde sicher angemessen gewesen wären. "Das ist nicht das Ende der Straße", meinte Geoffrey Rippon, "das ist nur das Ende vom Anfang für Europa."

Bis dieses Ende erreicht wurde, verstrichen noch einmal zwei harte Verhandlungstage im Luxemburger Europa-Zentrum. Dabei ging es nicht nur um materielle Vor- und Nachteile, sondern auch um politischen Gewinn – vor allem für den britischen Europa-Minister. Er bewies in Luxemburg, daß die Fähigkeit zum Pokern eine angelsächsische Tugend ist. Rippon reizte seine Karten bis zum letzten aus. Daß er die Sechs nicht überreizte, verhinderte mehr als einmal der ausgleichende Walter Scheel. Seiner Regierung verhalf Rippon mit dem Verhandlungserfolg zu den überzeugenden Argumenten, um nun das zweite große Hindernis zu überwinden: die Antipathie der Mehrheit der Briten gegen den Beitritt.

Die Ergebnisse, die er erzielte, kann der Europa-Minister im Parlament von Westminster vorzeigen: Die neuseeländische Frage wurde mit einem Kompromiß gelöst, der die Existenz der Butter- und Käseproduzenten in dem fernen Land nicht gefährden wird. Der Finanzierungsbeitrag während der Übergangszeit wird das britische Budget nicht über Gebühr belasten. Und auch die Fischer und Bergbauern in Großbritannien können mit den Resultaten von Luxemburg zufrieden sein.

Stellvertretend für sie tranken Akteure und Beobachter im Europa-Zentrum am Mittwochmorgen um sechs Uhr Champagner auf die Zukunft Europas. Sie erschien auf einmal so verheißungsvoll wie die Morgenröte am Luxemburger Himmel.