Politik

Blutbad in Bengalen

Das Glück hatte Abdul Bari verlassen. Wie Tausende anderer Leute in Ostbengalen hatte er den verhängnisvollen Fehler gemacht, beim Anblick einer pakistanischen Armeestreife davonzulaufen.

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Wirtschaft

Konjunkturzuschlag: Wohin mit dem Geld?

Am liebsten", so klagte ein Seufzer aus dem Bundeswirtschafts- und Finanzministerium, "wäre es uns, wenn wir den Kohjufikturzuschlag bald wieder unter die Leute gebracht hätten".

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DIE ZEIT

Sieg oder Platz?

Ist Rainer Barzel im Hindernis-Rennen um die CDU-Führung schon nicht mehr einzuholen? Während der Fraktionsvorsitzende der Union bereits eine Runde zurückgelegt hat, sind seine Konkurrenten bisher kaum über die Startlinie hinausgekommen oder erwägen gar noch, unter welchen Bedingungen sie an diesem Rennen teilnehmen wollen.

Das bengalische Massaker

Eine Nachricht, so lernten es amerikanische Zeitungsleute, ehe Funk und Fernsehen die Welt zu einem Dorf im Medienverbund machten, eine Nachricht ist: ein toter Amerikaner, zehn tote Europäer, hundert tote Inder.

Freie Presse - freie Welt

Die Enthüllungen der New York Times aus der geheimen Studie des Pentagon über die Vorgeschichte des Vietnam-Krieges, denen bald ähnliche Veröffentlichungen der Washington Post, des Boston Globe und die Ankündigung des republikanischen Abgeordneten Paul McCloskey folgten, auch er werde viele Dokumente aus diesen 47 Bänden publik machen – diese Enthüllungen haben nach dem ersten Schock der Sensation in Amerika eine "Schlacht der Roben" in den Gerichtssälen ausgelöst.

Die enttäuschten Mandarine

Gegen Ende 1969 erschien im Leserbrief-Teil der New York Times ein kurzes Schreiben, in dem die vier Unterzeichner für einen baldigen und bedingungslosen Abzug der amerikanischen Truppen aus Vietnam eintraten.

Der Krieg, den Johnson wollte

Das Bild des "häßlichen Amerikaners" hat in den letzten beiden Wochen die Züge von Lyndon B. Johnson angenommen. Ein Texaner von übersteigertem Selbstbewußtsein, überzeugt von der wundertätigen Mission der Weltmacht Amerika, unbekümmert um die Rechte kleiner Nationen, ein zynischer, durchtriebener Politiker, der rücksichtslos, frei, von moralischen oder rechtlichen Bedenken, sein Ziel verfolgt und dabei nicht davor zurückscheut, das eigene Volk mit Lug und Trug hinters Licht zu führen – so stellt er sich in den Köpfen mancher Menschen dar, seit die New York Times sie hinter die Kulissen der amerikanischen Vietnampolitik hat schauen lassen.

Endlich vor Anker in Europa

Mit einem Schlag gab es nur noch zufriedene Gesichter. Die Sorgenfalten waren verflogen, als der französische Außenminister Schumann verkündete: "Die Verhandlungen mit der Regierung des Vereinigten Königreiches sind erfolgreich abgeschlossen worden.

Ein Jubiläum ohne Jubel

Der Regierung Wilson wurde nach fünf Jahren vorgeworfen, sie habe zu viele Wahlversprechen gebrochen. Presse und Wählerschaft klagten, das "Neue Jerusalem", das Harold Wilson zugesagt hatte, sei ausgeblieben.

Verhaftungswelle

Mit Reformversprechungen waren die neuen Herren in Ankara angetreten, inzwischen schlagen sie nur noch nach links. Die Ermordung des israelischen Generalkonsuls Ephraim Elran war für die von den Militärs eingesetzte Regierung Erim der Auftakt einer Verhaftungswelle, die sich keineswegs nur gegen Terroristen richtet, sondern generell gegen alle Intellektuelle, die für Reformen eintraten.

Brandts neues Selbstvertrauen

Brandt: Nein, diese Sorge habe ich nicht. Die Gespräche über eine beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderung in Europa werden innerhalb des Atlantischen Bündnisses sorgfältig vorbereitet.

Fluglotsen wehren sich

In der Nummer 23 vom 4. Juni 1971 brachte die ZEIT einen Artikel "Die Piloten werden langsam zornig". In diesem Artikel zitierte der Autor vier Beispiele böswilligen Verhaltens der Fkglotsen.

Witze von drüben

Der Staatsicherheitsdienst bekommt einen Hinweis, daß sich ein westlicher Beobachter beim Parteitag eingeschlichen hat. Ein junger Genosse soll sich bewähren und ihn herausfinden.

Honeckers neuer Stil

Der Nachfolger ist kein Weltveränderer. Er folgt nicht, wie Biermann in seinem "Porträt eines alten Mannes" schreibt, den von ihm selbst ausgetretenen Spuren im Glauben, er gehe den Weg der Massen.

Stimmungsumschwung in Washington

Als Willy Brandt vor vierzehn Monaten bei seinem ersten Washingtoner Besuch Präsident Nixon und seinen Ratgebern die neue deutsche Ostpolitik erläuterte, bekam er noch eine verhaltene Distanz zu spüren, hier und da sogar ein leichtes Mißtrauen.

Streit um Vietnam-Studie

Die Veröffentlichung von Auszügen eines bisher streng geheimen Washingtoner Dokuments über die Beteiligung der Vereinigten Staaten am Vietnamkrieg hat in den USA eine heftige Diskussion über Fragen der Pressefreiheit und der nationalen Sicherheit ausgelöst, Diese Auseinandersetzung hat die Debatte über den Inhalt der Studie, die im Juni 1967 vom damaligen Verteidigungsminister der Regierung Johnson, McNamara, in Auftrag gegeben worden ist, an die zweite Stelle gerückt.

Bonn: Ärger mit Zoglmann

Die Frage, wie sich die CDU/CSU gegenüber der "Deutschen Union" und ihrem Vorsitzenden Zoglmann verhalten soll, hat zwischen den Schwesterparteien zu Spannungen geführt.

Dokumente der ZEIT

"In diesem Zusammenhang möchte ich auf die Bedeutung des am 12. August vorigen Jahres unterschriebenen Vertrages zwischen der UdSSR und der BRD eingehen.

Krach unter den Afrikanern

In Addis Abeba trat eine Außenministerkonferenz zusammen, um die am Montag begonnene Gipfelkonferenz vorzubereiten. Von den 41 OAU-Mitgliedern waren vier ferngeblieben: Kongo-Kinshasa, Mauritius, die Zentralafrikanische Republik und Uganda.

"1001 Wohltat" für die DDR

Für die größte Überraschung auf dem VIII. Parteitag der SED sorgte Walter Ulbricht: Noch am Vortage hatte er die Besucherdelegationen begrüßt; auf dem unerwartet um 24 Stunden verschobenen Parteitag fehlte er dann, angeblich wegen akuter Kreislaufstörungen.

Hellmuth Karasek:: Ballade vom armen G.G.

Verzweifelt fragt man sich, wie lange man noch wird wiederholen müssen, daß es keineswegs Kipphardt war, der die Drachen-Galerie im Münchner Programmheft unterbringen wollte.

Alle, die da fallen

Wenn sich die Beteiligten in München nicht noch in letzter Minute besinnen, dann wird vom 30. Juni an die Kündigung des Chefdramaturgen Heinar Kipphardt rechtskräftig und wirksam.

Vom armen G.G.

Ton absehe, der da seine Invektiven mit der Feststellung beginnt, er habe gerade in Schleswig-Holstein Auswüchse bekämpft: Kaum ist Papi fort, bei der Arbeit, schon machen die Kinder Dummheiten.

"Between" in Düsseldorf

In London sammelten sich bereits 1966 die Mitglieder der "Artists Placement Group" (APG), Vermittler zwischen Industriebetriebsalltag und Künstlerutopismus.

Versuch eines Resümees

In den letzten drei Ausgaben der ZEIT wurde die Frage erörtert, ob die dem Verband deutscher Schriftsteller (VS) angehörenden Autoren sich gewerkschaftlich organisieren sollten; und wenn ja, welcher Gewerkschaft sie am vorteilhaftesten beitreten könnten.

Schriftsteller und Gewerkschaft: Von der anderen Seite

Nicht der DGB hat die Frage gestellt, ob sich der Verband deutscher Schriftsteller (VS) einer Gewerkschaft des DGB anschließen könnte, der VS hat an die Gewerkschaften die Frage gerichtet, ob es eine Möglichkeit dieser Kooperation gäbe.

Neue Erkenntnisse über Carmen

Wenn eine berühmte Sängerin an die dreihundertmal die Carmen dargestellt hat, muß sie der Welt sagen dürfen, daß, "je öfter ich mit der Carmen gastierte, desto unbefriedigender ich die meisten szenischen und bildnerischen Lösungen fand".

Kunstkalender

Die Besucher mögen sich ein wenig glückhaft verzaubern lassen in eine uns nahe und doch ferne Welt, wünscht ihnen Felix Klee, der fast seine komplette Sammlung nach Duisburg ausgeliehen hat.

Reiner Kunze:: Brief aus Sachsen

Die Prominenz eines Peter Huchel, eines Wolf Biermann, eines Robert Havemann besitzt der siebenunddreißigjährige, im sächsischen Greiz lebende Lyriker und Essayist Reiner Kunze nicht.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Die "Primadonna der Avantgarde" hat man sie genannt: Was die zeitgenössische Musik den Sopranistinnen an Stimmtechnik und Musikalität abverlangen kann und darf, ist durch das Können der in Italien lebenden Amerikanerin armenischer Abstammung begründet und begrenzt.

Der Fall Helmut Kommer

Der Fall des aus dem Schuldienst entlassenen Assessors Helmut Kommer, früher am Gymnasium in Wertheim, ist exemplarisch dafür, wie die Ausscheidung selbständiger Köpfe und Charaktere aus dem Beamtenkörper, und die Mitwirkung der Rechtsprechung dabei, immer noch gut funktioniert.

Fernsehen als Ideologie

Nach fast zwanzig Jahren sind wir alle gute Fernseher geworden. Wir haben die Bildersprache des neuen Mediums erlernt. Längst organisieren wir die tägliche Bilderflut automatisch und unbewußt, haben wir gelernt, optisch zu folgern, Bild und Ton zu einem schlüssigen Gesamteindruck zu kombinieren, Zeichen und Signale zu deuten – haben wir uns häuslich eingerichtet in einem festen Regelsystem der Rezeption, das als genormte, unseren Vorlieben und Ansichten entsprechend selektive, im übrigen nahezu passive Reaktion funktioniert.

Krankenhaus für Gesunde

In der Schule wird zensiert. Schüler werden geprüft, erhalten Noten, gute oder schlechte. Wer gute Noten erwirbt, darf aufsteigen: zu höherer Bildung und zu gehobenen gesellschaftlichen Positionen.

Die Superverschmutzung

Im Jahre 2865 leben sechzig Billionen Menschen auf der Erde. Der Planet ist mit zehn Kilometer hohen Gebäuden bedeckt. Die übrigen Lebewesen sind ausgerottet.

KRITIK IN KÜRZE

Weltschau, als mythologisches Modell amerikanischer Zukunft und, weiß der Teufel, was sich aus diesem Blut- und Boden-Geraune noch herausfiltern läßt.

Tod auf Umwegen

Ende Juni wird sich die Genfer Abrüstungskonferenz wiederum mit dem Problem der biologischen und chemischen Waffen herumschlagen, einem Problem, das fast so alt ist wie das Jahrhundert.

Kampf dem Kommiß

Kritische Gänge durch die Kasernen" hat Gerd Schmückle – heute Generalmajor bei der Nato – als stellvertretender Divisionskommandeur unternommen.

Hanzlicek-Prozeß: Aufklärung

Die Waagschale der Schuld hatte sich scheinbar schon unwiderruflich gesenkt. Vierzehn Jahre Freiheitsstrafe wegen versuchten Mordes hatte der Staatsanwalt im Frankfurter Hanzlicek-Prozeß für den Hauptangeklagten Konrad Hanzlicek, sechs Jahre für den "gedungenen Mörder" Achmed Gebes gefordert.

Pro Tag neun Leichen

Der Deutsch-Amerikaner Antony (Toni) Lötschert aus Phönix/Arizona, zurückgekehrter Sohn deutscher Auswanderer, wollte beweisen, daß ihm des Bundesbürgers Freizeitgestaltung am Herzen liegt und er selbst dabei hart im Geben und clever im Nehmen sein kann.

Isang Yuns Oper "Geisterliebe" in Kiel: Tod dem Mann

"Haß verzerrt. Liebe lenkt ab vom Ziel. Nur Vernunft, nur der Kopf faßt das All" – das ist die Lebensphilosophie von Pan Hon-San, einem Intellektuellen, der weder Nachbarn kennt noch Frauen beachtet, der Bücher schreibt und den Kung Fu-tse zitiert.

Die Alten und der junge Schönherr

Familie Schönherr trabte durch den Regen draußen. Drinnen saßen die Schweizer, die österreichische und die deutsche Familie – dazu das Publikum von "Wünsch dir was" – im Trockenen.

"Operette" in Basel: Eine Welt singt sich zugrunde

Jetzt erst, bei ihrer Basler Aufführung, kam Witold Gombrowiczs "Operette" zu einer kongenialen Musik: Peter Fischer machte mit jener Drei-Viertel-Takt-Seligkeit, mit jenem Säuselschmalz und Schmetterton ernst, in denen die Operette einst als Gattung erst ganz zu sich selbst fand, weil hier dem Text noch in den seichtesten Momenten der Anschein von Gefühl gegeben wird, während ihm gleichzeitig noch dort, wo er sich ausplappern will, dies gründlich ausgegeigt und ausgeschunkelt wird.

Fernsehen: Pestbeule des Bildungssystems

Lateinstunde: Sitten und Gebräuche der Germanen und Gallier. Lehrer: "Wozu baden sie gemeinsam nackt?" – Hm. – "Eine gewisse Erziehung, Gewöhnung wird hier angestrebt, denken Sie einmal an Sylt.

FILMTIPS

"Das Bataillon der Verlorenen", von Francesco Rosi. Der erste Kriegsfilm, der den Gegner nicht jenseits der Front, sondern in den eigenen Reihen findet – in der Hierarchie der Militärs.

ZEITMOSAIK

Dieter Asmus, Peter Nagel, Nikolaus Störtenbecker und Dietmar Ullrich, vier junge Maler, die sich nicht nur einzeln, sondern auch insgesamt als "Gruppe Zebra" einen Namen gemacht haben, haben das mit jeweils 5000 Mark dotierte Stipendium 1971 des Kulturkreises im Bundesverband der Deutschen Industrie erhalten.

Die Krise von Wolfsburg

Der große Krach wurde gerade noch rechtzeitig vermieden. Knapp zwei Wochen vor der Hauptversammlung des Volkswagenwerkshat das Aufsichtsratspräsidium dem VW-Chef de facto sein Vertrauen ausgesprochen.

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