Im achten Jahr ihres Bestehens droht die Organisation Afrikanischer Staaten (OAU), sich über dem Problem "Südafrika" zu zerstreiten. In der vergangenen Woche wurde der Bruch nur knapp verhindert.

In Addis Abeba trat eine Außenministerkonferenz zusammen, um die am Montag begonnene Gipfelkonferenz vorzubereiten. Von den 41 OAU-Mitgliedern waren vier ferngeblieben: Kongo-Kinshasa, Mauritius, die Zentralafrikanische Republik und Uganda. In Kampala, Ugandas Hauptstadt, sollte ursprünglich die Gipfelkonferenz stattfinden. Aber einige Staaten weigerten sich, damit den neuen Staatschef Amin aufzuwerten. Für sie bleibt der gestürzte Obote rechtmäßiges Oberhaupt Ugandas.

Der Streit entzündete sich an der Frage, ob die Diskussion eines "Dialogs" mit Südafrika der Gipfelkonferenz vorbehalten sein solle. Die Tagesordnungs-Frage wurde unversehens zum Prüfstein für die Dialog-Bereitschaft.

Mit der Elfenbeinküste, dessen Präsident Hophouet-Boigny für Gespräche mit Pretoria eintritt, verließen die Französisch sprechenden Staaten Westafrikas Gabun, Dahomey, Togo und Obervolta die Tagung. Fünf weitere Staaten – Malawi, Lesotho, Madagaskar, Ghana und Zwaziland – befürworteten "irgendeine Form" des Dialogs. Dabei schlugen sich aber nur Malawi und Madagaskar bedingungslos auf die Seite der Elfenbeinküste. 27 Staaten sagten nein. Denn – so argumentierten sie – mit einem Dialog habe Südafrika sein erstes Ziel erreicht: Ohne substantielles Nachgeben in der Apartheid-Politik die afrikanische Einheit aufzusprengen. Sinnvoller bleibe der Kontakt zu den Untergrund-Befreiungsorganisationen.

An der Eröffnungssitzung der Gipfelkonferenz nahmen nur 11 Staats- und Regierungschefs teil; 28 Länder waren durch Minister vertreten. Es fehlten Uganda und die Zentralafrikanische Republik. Haile Selassi leitete die Runde mit scharfen Angriffen auf Südafrika ein: "Die Freiheit von Millionen Menschen ist kein Handelsobjekt."

Südafrika mußte noch eine weitere Niederlage einstecken: Mit 13 gegen zwei Stimmen entschied der Internationale Gerichtshof in Den Haag, die Verwaltung Südafrikas in Namibia, der ehemaligen deutschen Kolonie Südwestafrika, sei illegal.