Weltschau, als mythologisches Modell amerikanischer Zukunft und, weiß der Teufel, was sich aus diesem Blut- und Boden-Geraune noch herausfiltern läßt. Bezeichnenderweise fehlen in der von grotesken Widersprüchen wimmelnden "Untersuchung" auch die bescheidensten Hinweise auf eine Literatur, die sich mit der historischen und gegenwärtigen Realität des amerikanischen Indianers befaßt, während in das gesamte legendäre und erzählerische Repertoire die waghalsigsten Unterstellungen hineingedeutet werden. Als literarhistorischer Däniken bleibt Fiedler keine Antwort schuldig auf Fragen, die niemand gestellt hat. (Aus dem Amerikanischen von Wolfgang Ignée und Michael Stone; März Verlag, Frankfurt; 224 S., brosch. 16,– DM)

Egbert Hoehl

"Der achtfache Weg", Roman von Rolf Roggenbuck. Baby Guggu ist Micki, ist Stinkus, ist Pökerbacke, ist Professor Knalltüte sowie der Ich-Erzähler dieses Romans, Schriftsteller seines Zeichens, der einen Roman schreibt, den "achtfachen Weg" nämlich. Was sich auf den ersten Blick wie ein kaputter Pop-Roman ausnimmt, der Wirklichkeit nur im Zitat vorführt, ist nichts Geringeres als der Versuch, nach Kleistscher Rezeptur das dritte Kapitel der Genesis vom Ende zum Anfang zurückzuerzählen: Kleist nennt es das letzte Kapitel der Geschichte der Welt, das darin bestünde, noch einmal vom Baum der Erkenntnis zu essen, um in den Stand der Unschuld zurückzufallen. Der Autor läßt es an metaphorischen Hinweisen auf diesen Zusammenhang nicht fehlen. Baby Guggus pantagruelischer Weltschmaus auf dem Nachttopf, des Knaben Micki Theorie vom Weltgeschehen als einer Kreisbewegung und Knalltütes Relativitätstheorie können ohne Not als historische Stationen abendländischen Weltverständnisses identifiziert werden, projiziert in die Figurationen eines schizophrenen, und das ist modernen, Ich, das auf der Suche nach seiner verlorenen Identität, dem "Paradies", in den Brunnen der Vergangenheit steigt; das, als therapeutisches Mittel in einer Bewußtseinskatastrophe, seine Biographie niederschreibt. Ein psychoanalytischer Prozeß, der nicht zur Genesung führen kann, weil die Krankheit des Erzählsubjekts als Krankheit einer Epoche verstanden werden muß, deren psychische Symptome gezeigt werden, ohne daß ihren Ursachen nachgeforscht würde. Der zuständige Lektor von Rowohlt, den dieses schwierige Buch zur Verzweiflung gebracht haben muß, verfiel in seiner Not auf die Prägung "kryptotypisch" und den Gedanken, den Roman allen Ernstes ulkig zu finden. (Rowohlt Verlag, Reinbek; 205 S., 14,80 DM) Sibylle Cramer