Kettenraucher John Munro, Minister für Gesundheit und Wohlfahrt in der kanadischen Regierung, hat einen Gesetzentwurf eingebracht, der alle Befürchtungen der Tabakindustrie übertraf: Werbung jeder Art für Zigaretten soll vom 1. Januar 1972 an in Kanada verboten sein. Außerdem soll die Regierung ermächtigt werden, den maximalen Gehalt an Nikotin und Teer in Räucherwaren auf einen Wert festzulegen, der erheblich unter dem gegenwärtigen Durchschnittswert liegt. Eine spezielle Prüfbehörde soll die Einhaltung dieser Vorschriften kontrollieren.

Munro, der seinen Zigarettenkonsum kürzlich von 75 auf weniger als 40 Stück pro Tag gedrosselt hat, rechtfertigte seinen Gesetzesvorschlag mit der "erschreckenden Zahl von Todesfällen, die direkt auf das Zigarettenrauchen zurückzuführen sind". Allein an Lungenkrebs starben in Kanada 1969 über 4700 Personen. Mindestens 3500 davon seien definitiv Opfer ihres Zigarettenkonsums gewesen, weil ihre Krebskrankheit ursächlich damit zusammengehangen habe, erklärte der Minister. Ungefähr 1500 Todesfälle an Herz- und Kreislaufkrankheiten pro Jahr gingen ebenfalls allein auf das Konto des Zigarettenrauchens.

"Wir zerbrechen uns ständig den Kopf darüber, wie man die Zahl der Verkehrstoten (in Kanada sind es knapp 5500 im Jahr) reduzieren kann", gibt Munro zu bedenken, "aber wir erlauben unserer Industrie, uns einen absolut unnötigen ‚killer‘ sympathisch zu machen, der fast so viele Menschenopfer fordert wie der immerhin nicht unwichtige Straßenverkehr."

Wenn das Gesetz in Kraft tritt – und daran dürfte es kaum noch einen Zweifel geben –, dann wird überdies auf jeder in Kanada verkauften Zigarettenpackung zu lesen sein: "Warnung: Die Gesundheitsgefahr nimmt mit der Zahl der gerauchten Zigaretten zu; der Rauch soll möglichst nicht inhaliert werden!" Zudem wird jede Zigarette mit einem Ring versehen und der Packung eine Erklärung dafür beigegeben sein, die besagt, daß der Gehalt an inhalierten schädlichen Substanzen erheblich ansteigt, wenn man über diesen Ring hinaus weiterraucht.

In der kanadischen Provinz British Kolumbien ist ein totales Reklameverbot für Zigaretten schon in Kraft.

Die Zigarettenindustrie fürchtet weitaus mehr als diesen generellen Werbungsstopp eine gesetz lich verordnete Beschränkung des Nikotin- um Teergehalts. "Wenn es bei den angestrebter niedrigen Maximalwerten bleiben sollte", be schwert sich ein Sprecher der Industrie, "wird der Geschmack der Zigaretten so reizlos, daß viele Verbraucher das Rauchen ganz aufgeben werden." Hierzu ein Abgeordneter der Liberalen Partei, die im Parlament die Mehrheit bildet und Munros Gesetzesvorlage unterstützt: "Deutlicher kann es niemand mehr formulieren, daß die Industrie bewußt eine Krankhaftigkeit fördert, nämlich die Süchtigkeit der Menschen, um das von ihr produzierte Gift absetzen zu können. Die Zigarettenhersteller sind um nichts besser als irgendein schmieriger Rauschgifthändler."

-ow