Alo Hauser, CDU-Abgeordneter und Rechtsanwalt, wurde zum bestgehaßten Mann seiner Fraktion. Der Abgeordnete sorgte dafür, daß einige ehemalige Minister seiner Partei künftig keine Pension bekommen. Hauser, von seinem Bonner CDU-Kreisverband dazu aufgefordert, brachte einen interfraktionell ausgearbeiteter. Gesetzentwurf zu Fall, jedem Bundesminister bereits nach einjähriger Amtsführung eine Pension zu gewähren. Die drei Fraktionen fanden schließlich einen Kompromiß, der eine Pension nach einer Ministertätigkeit von einem Jahr und 273 Tagen vorsieht. Der Versuch einer Gruppe von SPD-Abgeordneten, zu denen die Abgeordneten Hugo Collet, Horst Krockert und Dietrich Sperling gehörten, auch dieses Kompromißgesetz erst mit einjähriger Verspätung in Kraft treten zu lassen, scheiterte. Sperling: "Es geht nicht an, bei den öffentlichen Händen zu kürzen und private Hände zu füllen."

Die Hauser-Opfer sind: Richard Jäger (CSU), Aenne Brauksiepe, Ernst Benda, Johann Baptist Gradl, Hans Wilhelmi (alle CDU) und Heinz Starke (früher FDP). Bei der SPD gehören zu den Hauser-Geschädigten Alex Möller und Wolfgang Stammberger, bei der FDP Wolfgang Mischnick, dem seine Partei die Pension besonders gern gewährt hätte. Herbert der sich über das Gesetz am meisten empört hatte, wurde dagegen nun doch Nutznießer. Ebenso Franz Josef Strauß, der nahezu zwölf Jahre Minister war, aber früher keinen Anspruch hatte, weil er vor seinem Ausscheiden noch nicht 55 Jahre alt war. Seine Pension beträgt nach neuester Regelung nun rund 5400 Mark monatlich.

Etta Schiller-Eckel, Ministergattin, mußte für ihre Heirat Karriere-Opfer bringen. Anfang des Jahres hatte der nordrhein-westfälische Finanzminister Hans Wertz ihr die Beförderung zur Regierungsdirektorin in Aussicht gestellt und dies auch vorgeschlagen. Die Beförderung wurde dann jedoch zurückgestellt, weil sonst der Eindruck entstehen könnte, es handele sich dabei um ein Hochzeitsgeschenk besonderer Art.

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Bundestagspräsident Kai-Uwe von Hassel nimmt es mit der Sparsamkeit ernst. Als erster sagte er sein traditionelles Sommerfest zum Abschluß der Parlamentsarbeit vor der Sommerpause ab, Ersparnis: 40 000 Mark. Böse Zungen behaupten, Hassel habe damit nur der Regierungskoalition "eins auswischen" wollen, denn Außenminister Walter Scheel ließ sich sein Sommerfest auf der Rheininsel Grafenwerth nicht nehmen. Kanzler Brandt wird auch feiern.

Die Arbeit des Parlaments wird dagegen unter den Sparmaßnahmen der Regierung erheblich zu leiden haben. Von Hassel muß von 140 Millionen Mark 11,2 sperren. Die Abgeordneten müssen auf 1600 neue Telephonanschlüsse verzichten. Einen Engpaß wird es bei den Drucksachen des Bundestages geben. Dafür waren 3,8 Millionen Mark veranschlagt, sie werden auf 2,3 Millionen zusammengestrichen. Da aber Präsident Hassel bereits 1,9 Millionen Mark für Drucksachen ausgegeben hat, bleiben für den Rest des Jahres nur noch 400 000 Mark übrig. Der Haushaltsausschuß will Wirtschafts- und Finanzminister Karl Schiller nun auffordern, weitere Mittel freizugeben, da sonst die Arbeit des Bundestages gefährdet wird.

Mit sichtlicher Schadenfreude wurde von vielen Abgeordneten dagegen die Einschränkung der Reisetätigkeit einiger Parlamentarier zur Kenntnis genommen. Anträge des Sportausschusses, zehn Abgeordneten-Reisen zum Europa-Cub im Schwimmen nach Schweden, zu den Leichtathletik-Europa-Meisterschaften nach Helsinki und zu den Weltmeisterschaften im modernen Fünfkampf in Newton (USA) zu bewilligen, wurden zunächst abgewiesen. Der Bundestagspräsident von Hassel entschied im Verein, mit seinem Vizepräsidenten, die Abgeordneten sollten erst einmal konkret nachweisen, warum diese Sportreisen überhaupt notwendig sind.