Mit den Problemen, die amerikanische Broker schon zu schaffen machten, wurden deutsche Wertpapierhändler bis jetzt nicht konfrontiert: Bei der letzten längeren Hausseperiode an den US-Börsen gab es Broker, die in der Zeit der großen Umsätze mit der Abrechnung der von ihnen ausgeführten Geschäfte in Schwierigkeiten kamen. Wer genug Kapital hatte, um sich zusätzliche Arbeitskräfte einstellen zu können, überstand damals die Hochkonjunktur an der Börse. Andere jedoch kamen in Zahlungsschwierigkeiten und gingen bankrott, weil sie zum Teil hohe Schadenersatzansprüche ihrer Kunden befriedigen mußten.

Die deutschen Börsenvorstände verweisen mit Stolz darauf, daß es zu ähnlichen Schwierigkeiten an keiner Börse gekommen sei. Dennoch will man sich rechtzeitig auf die Zukunft vorbereiten.

Bis jetzt besitzt erst jeder dreizehnte Bundesbürger ein Wertpapierdepot. Daß dies noch nicht das Ende bedeutet, läßt sich an den Steigerungsraten der letzten zwanzig Jahre erkennen: Am Anfang der fünfziger Jahre gab es etwa 500 000 Wertpapierdepots in Deutschland, während es jetzt etwa 4,5 Millionen Depotkonten sind.

Doch auch in Zukunft rechnet man mit einem weiteren Anstieg. Den Trend glaubt man aus der Entwicklung in Amerika absehen zu können. In den USA besitzt jeder siebte Bürger ein Wertpapierdepot.

Um diesen Anstieg des Geschäftsvolumens in den kommenden Jahren bewältigen zu können, wollen die großen deutschen Börsen die Abrechnung der Börsengeschäfte vom Computer erledigen lassen. In Frankfurt und in Düsseldorf, den beiden größten deutschen Börsen, werden schon jetzt über elektronische Datenverarbeitungsmaschinen An- und Verkäufe verbucht. Das zeitraubende Erstellen der "Schlußscheine" im Anschluß an die Börse entfällt. Makler und Händler erhalten nach dem Ende der Börsenzeit auf vom Computer ausgedruckten Listen die exakte Aufstellung aller Geschäfte, die an diesem Tag abgeschlossen wurden.

In Düsseldorf, wo die Rheinisch Westfälische Börse gemeinsam mit der Wertpapiersammelbank die "Betriebsgesellschaft Datenverarbeitung Börse" gegründet hat, bucht der Computer freilich nicht nur die im Laufe des Tages angefallenen Ver- und Ankäufe von Wertpapieren, Er bewältigt gleichzeitig die ganze Verwaltungsarbeit der Wertpapiersammelbank.

An der Düsseldorfer Börse wurde von der Siemens AG ein Rechenzentrum erstellt. Für die amtlichen Makler wurden zehn "terminals" eingerichtet, über die alle notwendigen Angaben in den elektronischen Rechner eingegeben werden. Für die freien Makler gibt es acht dieser Eingabegeräte.