Von Wolfram Siebeck

Es ist natürlich zu begrüßen, wenn die Leute auf sich achten. Auf ihre Gesundheit, meineich, und darauf, daß ihnen die Haare nicht über den Kragen wachsen. Aber Angst vor Husten und Schnupfen dürfen nicht zur Historie ausarten, wie das augenblicklich mit der Luftverschmutzung geschieht. Das bißchen Blei, das jetzt in der Luft herumfliegt – ist doch lächerlich. Wie viele Leute sind denn schon am Blei gestorben? Ich kann nur sagen, daß in meiner Familie seit Menschengedenken in der Silvesternacht Blei gegossen wurde. Und zwar in solchen Mengen, daß schon einige tausend VWs durch den Salon fahren müßten, um das alles abzulagern! Aber woran sind sie gestorben, meine Omas und Opas, die Tanten und Onkel? Sie haben sich totgelacht; und einige lachen noch heute.

Oder sehen Sie sich meine Kinder an! Sie kauen Bleistifte, wie andere Kinder Fingernägel kauen. Sind sie deshalb krank? Keine Spur! Die hätten es gar nicht nötig, jedes Jahr drei Monate zur Erholung auf die Bermudas geflogen zu werden!

Also, am Blei liegt’s bestimmt nicht. Eher könnte man verbieten, daß Bäcker Zucker in den Kuchen tun. Denn das ist doch wenigstens bewiesen, daß davon die Leute dick werden, den Betriebsarzt belästigen und womöglich krank feiern.

Aber Blei im Benzin ... Wenn ich so was schon höre: Längs den Autostraßen verkümmern die Pflanzen. Mein Gott, wenn jemand keine verkümmerten Pflanzen mag, warum wohnt er dann an einer Autostraße? Soll er doch hierher ziehen, hier verkümmert nichts.

Und dann das Getue um die Verkehrspolizisten in der Innenstadt, denen es angeblich so übel wird. Wer weiß denn, was die am Abend vorher getrunken haben? Außer Dienst natürlich, es mißgönnt ihnen ja keiner den Abendschoppen. Aber immer gleich alles auf das Benzin schieben, das sind die Jusos, die arbeiten mit solchen Mitteln. Denken Sie nur an den Nulltarif, da sehen Sie doch, daß die gegen das Benzin sind und um jeden Preis! Aber was das kostet, bleifreies Benzin, davon haben sie keine Ahnung!Ich würde Ihnen das gern vorrechnen, wenn Sie mal in der Nähe sind – Liechtenstein ist ja nicht weit – fragen Sie nur nach mir: B. P. Esso, mich kennt hier jeder. Ich wohne gleich hinterm Aral, Shellstraße Elf. Ihr Auto lassen Sie am Parktor zurück, Sie werden dann im Elektrowagen hierhergebracht. Sehen Sie, das ist mein Beitrag gegen die Luftverschmutzung! Wenn alle etwas mehr Initiative aufbrächten, wäre das Problem längst gelöst, und wir brauchten keine so blödsinnigen neuen Gesetze.

Kicker-Kopfnüsse