Von Rolf Zundel

Bonn, im Juni

Ist Rainer Barzel im Hindernis-Rennen um die CDU-Führung schon nicht mehr einzuholen? Während der Fraktionsvorsitzende der Union bereits eine Runde zurückgelegt hat, sind seine Konkurrenten bisher kaum über die Startlinie hinausgekommen oder erwägen gar noch, unter welchen Bedingungen sie an diesem Rennen teilnehmen wollen.

Für Helmut Kohl, der letzte Woche seine Kandidatur für den Parteivorsitz angemeldet hat, geht es auf dem Saarbrücker Parteitag – so glauben viele Kenner der CDU – nicht um den Sieg, sondern um einen guten Platz, um eine günstige Ausgangsposition für später.

Gerhard Schröder dagegen weiß noch nicht, ob er an diesem Wettlauf überhaupt teilnehmen soll. Er will sich dann um den Parteivorsitz bemühen, wenn sich die Meinung durchsetzt, Kanzlerkandidatur und Parteivorsitz sollten in einer Hand vereinigt werden. Diese Auffassung ist eine hervorragende Rechtfertigung fürs Abwarten. Aber mit Abwarten wird niemand Parteichef.

Kurt Georg Kiesinger schließlich schiebt die Entscheidung, ob er für den Parteivorsitz kandidieren will, immer noch vor sich her. Er braucht offenbar Zeit, um mit der schmerzlichen Erkenntnis fertig zu werden, daß seine Uhr abgelaufen ist. Für ihn geht es im Grunde darum, bei der Kür seines Nachfolgers wenigstens ein gewichtiges Wort mitreden zu können und einen anständigen Abgang zu finden.

Rainer Barzel aber sammelt inzwischen seine Bataillone. Die Delegiertenkonferenz der nordrhein-westfälischen CDU am vorigen Wochenende zeigte, wie stark dort sein Anhang ist; der hessische Landesvorsitzende Dregger pries ihn in Wiesbaden als "besten Mann der CDU"; auch die CDU-Oberen von Schleswig-Holstein haben sich anscheinend am Wochenende auf Barzel geeinigt. In der Fraktion verfügt er ohnehin über eine solide Mehrheit. Da ist dann doch die Frage erlaubt: Wie eigentlich soll Barzel überhaupt noch gestoppt werden? Gewiß, Landesvorsitzende können, wie frühere CDU-Parteitage bewiesen haben, nicht immer für die Stimmen ihrer Delegierten garantieren. Aber dies gilt dann ja auch für Landesvorsitzende, die vielleicht meinen, Barzel sei nicht ihr Mann.