Die Veröffentlichung von Auszügen eines bisher streng geheimen Washingtoner Dokuments über die Beteiligung der Vereinigten Staaten am Vietnamkrieg hat in den USA eine heftige Diskussion über Fragen der Pressefreiheit und der nationalen Sicherheit ausgelöst, Diese Auseinandersetzung hat die Debatte über den Inhalt der Studie, die im Juni 1967 vom damaligen Verteidigungsminister der Regierung Johnson, McNamara, in Auftrag gegeben worden ist, an die zweite Stelle gerückt.

Die ersten drei Folgen über die Dokumentation, die sich mit dem amerikanischen Vietnamengagement von 1945 bis zum Frühjahr 1968 befaßt, wurden von der "New York Times" veröffentlicht. Die Regierung in Washington erwirkte eine einstweilige Verfügung, weil ihrer Ansicht nach die Sicherheitsinteressen beeinträchtigt worden seien.

Die Zeitung ging ebenfalls vor Gericht mit der Begründung, durch die einstweilige Verfügung sei das Grundrecht der Meinungs- und Informationsfreiheit verletzt worden. Die weitere Berichterstattung aber übernahm die "Washington Post" und, nachdem auch hier eine einstweilige Verfügung vorlag, der "Boston Globe". Das Justizministerium reagierte abermals mit einer Verfügung.

Der Streit vor den Gerichten brachte zunächst noch keine Entscheidung. Die zuständigen Richter wagten kein endgültiges Verdikt gegen die Veröffentlichung.

US-Verteidigungsminister Laird suchte am Dienstag einen Kompromiß zu finden: nach genauen Untersuchungen solle ein Teil der Dokumente zur Veröffentlichung freigegeben werden.

Die Veröffentlichung der Studie, von der insgesamt 15 Exemplare existieren sollen, wurde von der übrigen Presse allgemein begrüßt. Da, so heißt es vor allem in englischen Zeitungen, die bisher veröffentlichten Dokumentationen bewiesen, daß Präsident Johnson die amerikanische Bevölkerung über den Einsatz von US-Truppen und über die Bornbardierung Nordvietnams getäuscht habe, sei es das Recht der Presse, die Öffentlichkeit aufzuklären.