Von Dieter E. Zimmer

In den letzten drei Ausgaben der ZEIT wurde die Frage erörtert, ob die dem Verband deutscher Schriftsteller (VS) angehörenden Autoren sich gewerkschaftlich organisieren sollten; und wenn ja, welcher Gewerkschaft sie am vorteilhaftesten beitreten könnten. Es kamen zu Wort: Martin Gregor-Dellin, stellvertretender Vorsitzender des VS-Bayern, mit einem Katalog von Bedenken; Dieter Lattmann, Vorsitzender des VS; Reinhard Baumgart und Ingeborg Drewitz aus dem Bundesvorstand des VS. Eine Stellungnahme aus dem Hauptvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes in dieser Ausgabe schließt die Diskussion vorerst ab.

Wenn wir dieser Diskussion, die sich durch unterhaltsame Effekte und Affekte nicht auszeichnete und nicht auszeichnen sollte, so viel Raum gegeben haben, dann: weil wir überzeugt sind, daß all die Einzelgänger der kulturellen Berufe eben als einzelne zu schwach dastehen und eine wirksame Organisation angesichts der sich formierenden Medien-Oligopole dringend nötig haben; weil die Frage eines Gewerkschaftsanschlusses für alle Abhängigen in den künstlerischen und publizistischen Berufen tatsächlich eine Jahrhundertentscheidung ist und in ihren allgemeinen kulturpolitischen Auswirkungen auch für die nicht unmittelbar Betroffenen von Gewicht; und weil die Materie dermaßen kompliziert ist, daß viele der Schriftsteller, die in anderthalb Jahren ihr Votum für oder gegen den Gewerkschaftsanschluß abgeben müssen, ratlos sind. Die öffentliche Diskussion sollte paradigmatisch Argumente vorführen und damit die Meinungsbildung leichter machen.

Vielleicht haben wir uns zuviel versprochen. Jedenfalls scheint mir selber das Ergebnis dieser Diskussion nicht sehr konklusiv, und das ist gewiß nicht die Schuld unserer Autoren, sondern muß wohl seine Gründe in der Sache haben – und auch das ist ein Ergebnis, keins allerdings, das irgend jemandem sein Votum erleichtern könnte.

Sieht man von allem Rankenwerk ab, so ließen sich die folgenden Positionen ausmachen (sie sind hier schonungslos verkürzt):

1. Eine wirksame Organisation der Schriftsteller muß angestrebt werden, die Kooperation mit einer Gewerkschaft ist erwägenswert (kein Widerspruch, obwohl es auch im VS Meinungen gibt, die jede Annäherung an die Gewerkschaft für unnötig halten).

2. Der VS sollte sich als eingetragener Verein auflösen und als Fachgruppe der IG Druck und Papier beitreten (Lattmann, Baumgart).