Von Franz Woschech

Nicht der DGB hat die Frage gestellt, ob sich der Verband deutscher Schriftsteller (VS) einer Gewerkschaft des DGB anschließen könnte, der VS hat an die Gewerkschaften die Frage gerichtet, ob es eine Möglichkeit dieser Kooperation gäbe.

Ich muß gestehen, daß wir im DGB einige Zeit gebraucht haben, auf die Frage Antworten zu finden. "Antworten", sage ich, weil organisatorische Einzelheiten noch in der Diskussion sind, auch bei uns, nicht nur bei den Schriftstellern.

Daß nicht sofort ein begeistertes "Ja" gerufen wurde, hat Gründe: Sind Schriftsteller Arbeitnehmer im Sinne der Gewerkschaftssatzungen und – was wichtiger ist – im Sinne der "herrschenden Rechtsauffassung"? Eine Gewerkschaft wäre in der Gefahr, ihre "Gewerkschaftseigenschaft", das heißt ihre Tariffähigkeit zu verlieren, wenn sie in größerer Zahl Nicht-Arbeitnehmer als Mitglieder aufnähme.

Rechtsgutachten liegen vor. Sie sind überwiegend positiv. Sie stützen sich auch auf arbeitsrechtliche Vergleichsgruppen, die bereits gewerkschaftlich organisiert sind, wie Heimarbeiter, leitende Angestellte oder Journalisten, Publizisten und Künstler, die freie Mitarbeiter mit Honorarverträgen sind.

Außerdem wandeln sich die Rechtsauffassungen wie das gewerkschaftliche Bewußtsein. Wir erinnern uns noch, daß vor Jahrzehnten umstritten war, ob Angestellte in Arbeiterverbänden etwas zu suchen hätten. Noch heute gibt es eine Minderheit unter den organisierten Angestellten, die lieber "unter sich" bleiben will. Ähnlich entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg das Bewußtsein bei der Beamtenschaft. Heute ist der DGB die größte Beamtenorganisation.

Verwandte Berufsgruppen gehören bereits zum DGB: die deutsche Journalisten-Union (dju), die der IG Druck und Papier als Fachgruppe mit einer gewissen Autonomie angehört. Die Rundfunk-, Fernseh-, Film-Union (RFFU), in der sick ein großer Teil der bei den Rundfunkanstalten tätigen Redakteure, Journalisten und Publizisten organisiert hat, ist einer der Verbände, die die Gewerkschaft Kunst bilden.