Von Joachim Nawrocki

Eine einfache Sache ist der Handel mit der DDR nie gewesen, jetzt ist das Geschäft mit Ost-Berlin noch schwieriger geworden: Die professionellen Interzonenhändler verhandeln fast täglich mit den zuständigen Ministerien und Außenhandelsgesellschaften der DDR. Und der Ertrag der oft stundenlangen Gespräche ist dürftiger als je zuvor. Die DDR-Vertreter – angewiesen, zäh zu verhandeln – scheuen sich nicht, den Preiskalkulationen westdeutscher Anbieter Preislisten von Konkurrenzfirmen entgegenzuhalten, die überhaupt nicht vergleichbar sind. Spezialkabel werden einfachem Leitungsdraht gleichgestellt, und ein Ventil ist für manchen Ost-Berliner Unterhändler eben ein Ventil – obwohl es Ventile für 20 Mark und solche für 20 000 Mark gibt.

Wenn die westdeutschen Kaufleute längst glauben, man sei sich einig, dann geht das Feilschen erst richtig los. Rabatte werden verlangt, um die Mehrwertsteuer wird gerungen, die Einschaltung von Vertreterfirmen im Auftrag der DDR – mit entsprechenden Provisionsforderungen – wird vorgeschlagen. Und oft wird dem westlichen Lieferanten auch die Verpflichtung abverlangt, im Gegengeschäft DDR-Ware abzunehmen: Der Funktionär, der damit erfolgreich ist, bekommt vom Staate eine Prämie.

Mit allen Mitteln versucht die DDR, Lieferungen und Bezüge im Geschäft mit der Bundesrepublik ins Gleichgewicht zu bringen. In den letzten beiden Jahren hat die DDR nach der Bonner Interzonenhandelsstatistik für rund 800 Millionen Mark Waren mehr bezogen als sie lieferte. Und das Statistische Bundesamt, das den grenzüberschreitenden Verkehr, also auch noch nicht abgerechnete Lieferungen für Läger in der DDR erfaßt, errechnete gar eine Differenz von 1,1 Milliarden Mark. Nach wie vor steht die DDR bei der Bundesrepublik in der Kreide.

Zudem müssen die Lieferantenkredite westdeutscher Firmen verzinst werden, und das kostet viel Geld. Folge: Die DDR kann nicht mehr so hemmungslos kaufen wie bisher. Sie muß im Gegenteil versuchen, das Handelsdefizit allmählich abzubauen oder wenigstens auszugleichen.

In den ersten drei Monaten dieses Jahres ist ihr das auch einigermaßen gelungen: Sie verkaufte in der Bundesrepublik Waren für 545 Millionen Mark, das sind 48,8 Prozent mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Mit Einkäufen hielt sie sich dagegen zurück: Ihre Bezüge betrugen 542,8 Millionen Mark, also 5,3 Prozent weniger als in den ersten drei Monaten 1970. Erstmals seit langem kann die DDR damit wieder einen Aktivsaldo ausweisen, allerdings nur in Höhe von 2,1 Millionen Mark.