Hans Katzer, Chefsozialpolitiker und stellvertretender Fraktions Vorsitzender der CDU, zeigte sich großzügig: Die Renten sollten ab 1972 nicht um 6.3 Prozent (so der Regierungsentwurf), sondern pauschal um 11,3 Prozent erhöht werden. Damit möchte die Union die 1968 unterbliebene Rentenerhöhung zur Hälfte nachholen und bei dieser Gelegenheit gleich beträchtlich über die fällige Rentenanpassung hinausgehen.

Katzer blieb die Begründung für seine Vorschläge nicht schuldig: die inflationäre Preis- und Lohnentwicklung habe dazu geführt, daß die Rentner im Jahre 1971 erstmals keine reale Verbesserung ihrer Bezüge erzielen konnten. Während die Renten 1971 um 5,5 Prozent erhöht wurden, lag der Preisanstieg in Mai bereits bei 4,8 Prozent. Überdies sei jetzt das niedrigste Rentenniveau seit der Reform von 1957 erreicht.

Den Pferdefuß des Katzer-Vorschlags erkannte die Koalition indes schnell: Im Bundestagsausschuß für Sozialpolitik beschwörte der SPD-Abgeordnete Nölling die "Sorge, daß auf diese Weise ständig manipuliert werden könnte". Auch die Kosten bestärkten das Nein der SPD: Die 14. Rentenanpassung würde damit zwei Milliarden Mark mehr kosten. Bis 1985 kämen gar Ausgaben von insgesamt 51,8 Milliarden Mark zustande.

Für eine Rentenaufbesserung im kommenden Jahr wäre damit fast die Hälfte des finanziellen Spielraums vertan, der sich nach den Zahlen über die Entwicklung der Rentenversicherung bis 1985 ergibt. Auf jeden Fall aber schließt eine Realisierung dieser schematischen Rentenerhöhung (jede Rente würde um den gleichen Prozentsatz verbessert) die von der Regierung geplanten gezielten Strukturverbesserungen aus. Die flexible Altersgrenze, "Baby-Jahre" für Frauen und andere Reformen würden damit unerschwinglich. lu