Bundeskanzler Willy Brandt spendete Beifall: Vor dem 4. Ordentlichen Kongreß des Bundes Deutscher Konsumgenossenschaften GmbH (BdK) lobte er, daß die Genossen sich „um eine neue, flexiblere Unternehmensform bemühen, die ihren gemeinwirtschaftlichen Zielen besser gerecht wird und die Mitgliedschaft in ihrem Zusammenschluß attraktiver macht“.

Die Gesellschafter des BdK (im wesentlichen 130 Konsumgenossenschaften und ihre Großeinkaufsgesellschaft GEG) hatten zuvor die Umbildung der Genossenschaftsvereinigung in eine Aktiengesellschaft beschlossen.

Hauptgrund für diesen Schritt: Die AG hat weit bessere Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung als eine Genossenschaft. Denn laut Genossenschaftsgesetz dürfen die Geschäftsanteile nicht fest verzinst werden. Und die Zahlung einer Dividende wäre nicht sinnvoll; denn im Gegensatz zu Kapitalgesellschaften müssen auch ausgeschüttete Gewinne zu 49 Prozent versteuert werden.

Früher spielte diese Unverzinsbarkeit keine große Rolle. Mitglieder von Konsumgenossenschaften bekamen Rückvergütungen in unbegrenzter Höhe. Gelegentlich gab es neun Prozent und mehr. 1954 jedoch, als in Konsumläden jedermann einkaufen durfte, wurde die Rückvergütung im Rabattgesetz auf drei Prozent begrenzt. Damit liefen den Konsumgenossenschaften zwar nicht die Kunden, wohl aber die Mitglieder weg.

Die „Konzernspitze“ BdK wird deshalb in eine Coop-AG umgewandelt. Die Mehrheit der Aktien soll so bald wie möglich in den Händen von 20 regionalen Konsumgenossenschaften liegen. Bis 1972 müßte diese Zahl durch Fusionen der heilte noch existierenden rund 130 Konsumgenossenschaften erreicht werden.

Die einzelnen Konsummitglieder erhalten die Möglichkeit, stimmrechtslose Vorzugsaktien dieser Coop-AG zu erwerben. Dadurch, so BdK-Präsident Oswald Paulig, würde die Mitgliedschaft, im Konsum wieder attraktiv. Einen Gesinnungswandel sieht er in der Änderung der Rechtsform aber nicht. „Rechtsformen“, so sagte er, „sind in erster Linie Handwerkszeug, Mittel zur bestmöglichen Durchsetzung der Ziele.“

Eines der wichtigsten Ziele der mit einem Umsatz von 5,61 Milliarden Mark (1970) größten Einzelhandelsunternehmensgruppe der Bundesrepublik ist die Modernisierung des veralteten Ladennetzes. In den nächsten fünf Jahren will die Coop-AG eine Milliarde Mark investieren.

Coop-Kunden dürfen dafür auf eine bessere Versorgung hoffen. So ist zum Beispiel an den Aufbau von Auto-Serviceleistungen gedacht, ebenso an die Einrichtung von Garten-Centern und Restaurantketten. Selbst Gesundheits- und Schönheitspflege, modernes Wohnen und das weite Gebiet der Freizeitgestaltung will die Genossen-AG künftig nicht mehr vernachlässigen. izh