Von Karsten Plog

Die Planlosigkeit, mit der die Bildungspolitiker in der Bundesrepublik Bildungsplanung betreiben, läßt sich in diesen Wochen an den Vorbereitungen für die Einrichtung einer Zentralstelle "zur Förderung und Dokumentation der Curriculum-Forschung und Curriculum-Entwicklung" nachweisen. Sollte die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung auf dem von ihrem Innovationsausschuß vorgelegten Entwurf für die Zentralstelle bestehen, würde sie sich den Vorwurf eines unverantwortlichen Dilettantismus gefallen lassen müssen, an dem gemessen, alle Überlegungen über eine grundsätzliche Reform unseres Bildungswesens in der Tat als grenzenlose Utopie erscheinen müßten.

Ein trauriges Stück scheint sich in Bonn anzubahnen: Da wird ein Bildungsgesamtplan entwickelt, der in seiner dritten Fassung wenigstens noch den Hauch von Zukunft in sich trägt, und zugleich werden Instrumente geschaffen, die für die Arbeit an der Reform untauglich sind. Der Bildungsrat hat gegen den vorliegenden Entwurf der Kommission protestiert. Nichts aber spricht gegenwärtig für eine Änderung.

Der Entwurf sieht vor, daß eine Zentrale aufgebaut wird mit den Aufgaben: Dokumentation und Auswertung von Arbeiten über Curriculum-Forschung und -Entwicklung, Empfehlungen für Schwerpunkte der Forschung und Entwicklung, Vergabe und Auswertung von Curriculum-Projekten, Prüfung von Anträgen und schließlich Empfehlungen für die Anwendung neuer Curricula. An die Spitze dieses Instituts setzt der Entwarf einen Lenkungsausschuß, der sich aus Vertretern der Kultusbürokratie zusammensetzt und der in allen Fragen die letzte Entscheidungsinstanz ist. Wissenschaftler können sich in einem Beirat aussprechen, bei Entscheidungen haben sie nichts zu sagen.

Ein derartiger Entwurf, und darauf hat der Bildungsrat in viel zu vornehmer Zurückhaltung hingewiesen, ignoriert ziemlich alles, was an Voraussetzungen in der Bundesrepublik vorhanden ist; Die wissenschaftlichen Bedingungen, die Situation an den Schulen und vor allem die Inkompetenz der Kultusbürokratie, die an der Spitze des Instituts stehen soll. Diese Beamten sind weder sachlich noch politisch für eine solche Aufgabe legitimiert.

Wie verhängnisvoll sich der Plan der Bund-Länder-Kommission, der nach den Protesten zunächst einmal: wieder an den Innovationsausschuß zurückverwiesen wurde, auswirken könnte, wird deutlich, wenn man sich die Aufgaben der Curriculum-Forschung, Entwicklung und schließlich Erprobung einmal vor Augen führt. Curriculum-Forschung und Entwicklung beinhaltet – davon geht auch der dritte Entwurf der Bund-Länder-Kommission für einen Bildungsgesamtplan aus – einmal die wissenschaftliche Findung neuer Qualifikationen als Ziele des Lehrens und Lernens. Diese Qualifikationen müssen aus den neuen Anforderungen der Umwelt einschließlich der Politik gefunden werden.

Zum anderen gehört zu einem Curriculum die Entwicklung von Gegenständen und Methoden, an und mit denen die neuen Qualifikationen erreicht werden: können, die Zusammenstellung von Lernsituationen wie Gruppierungen, Medien und Lernmittel, von Lernstrategien und schließlich von Testmethoden zur Messung des Lehr- und Lernerfolges.